A Love Song for Bobby Long (2004)

25. November 2009 Dos Corazones Kommentieren

Nachdem Scarlett Johansson in „Lost in Translation“ neben Superstar Bill Murray brillierte, steht sie diesmal neben einer weiteren Schauspielerikone, nämlich John Travolta, vor der Kamera. Auch mit dabei: Gabriel Macht, mit dem Johansson 2008 „The Spirit“ gedreht hat.

In New Orleans ist eine kleine Gemeinschaft geschockt. Nach dem Tod von Lorraine Will, einer beliebten Sängerin der Musikstadt, ist das Leben ihrer Freunde wie auf den Kopf gestellt. Dabei hat kurz darauf auch Purslane, genannt Pursy, Will (Scarlett Johansson), Lorraines Tochter großen Einfluss. Die Beerdigung hat sie verpasst, weil ihr Freund Bobby Longs (John Travolta) Nachricht nicht weitergeleitet hat. Wütend verlässt sie ihn und kehrt in das Haus ihrer Mutter zurück. Das wird allerdings von Bobby und seinem Protegé Lawson Pines (Gabriel Macht) in Beschlag genommen. Nach kurzer Zeit zieht die störrische Pursy in die Männer-WG ein. Sie versucht die beiden Trunkenbolde aus ihrem Haus zu jagen, während die Alkoholiker wiederum Pursy loswerden wollen. Denn nach Lorraines Testament haben die beiden Männer bloß ein Wohnrecht auf ein Jahr, was sie Purslane fürsorglich nicht unter die Nase reiben.

Unter den wachenden Augen seines ehemaligen Literaturprofessoren Bobby arbeitet Lawson an einem Buch über seinen Mentor. Um die Konzentration des Autoren besorgt, versucht Bobby Pursy den Aufenthalt so schlimm wie nur möglich zu gestalten, damit sie schnell wieder auszieht. Pursy sucht hingegen einen Job, um den Blicken und Kommentaren von Bobby zu entkommen. Die Schule hat sie abgebrochen und kein wahres Interesse dahin zurückzukehren. Bis sie einen Deal mit Lawson eingeht, in den sie sich zunehmend verliebt: er hört auf zu trinken und sie zieht das letzte Schuljahr durch. Doch die sich langsam einstellende Idylle hält nur solange an, wie Pursy nicht von der Lüge Bobbys und Lawsons erfährt.

Lawson Pines: Damn girl, you woke up productive. Bobby, come see what Pursy did.
Bobby Long: I see what she didn’t do. Leave.
Pursy Will: She ain’t gonna leave.
————————–
Lawson Pines: We die only once, and for such a long time.
Bobby Long: Molière.
————————–
Cecil: Your mama thought you were golden so we named you after yellow flowers and corn. This is you here…
[cuts some purslane from garden]
Cecil: …pretty, golden purslane.
Pursy Will: Purslane’s really a weed, you know. A neighbor told me when I was 9 and I ran over his tomato plants. He said all gardeners hate purslane.
Cecil: Yeah, and dandelions. Doesn’t stop kids from making wishes on ‘em.

Quelle: http://www.imdb.com/title/tt0369672/quotes

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der auch im Titel genannte Bobby Long. wie die anderen Hauptpersonen ist er ein gebrochener Charakter. Einst ein bei den Studenten verehrter, von den Kollegen beneideter und von Frauen umschwärmter Professor mit einer Traumfamilie, sitzt er nun den Tag lang rauchend und an der Flasche hängend in New Orleans seine Zeit ab. Neben ihm fristet Lawson seit neun Jahren sein Dasein. Aus einem vorerst nicht genannten Grund halten die beiden Schöngeister seit Jahren zusammen, werfen sich gegenseitig Zitate von weitaus klügeren Autoren zu und erraten den Urheber der Worte – schwärmend von der alten Zeit. Purslane hingegen hat ihre Mutter nie wirklich kennen gelernt. Von ihrer verstorbenen Großmutter aufgezogen und von der Mutter nie ernstfaft umsorgt, wird Pursy weitgehend abseits von ihrer Familie auf. Dennoch kehrt sie zu dem Heimatort ihrer Mutter zurück, als sie von ihrem Tod hört. Von allen Bekannten ihrer Mutter hört sie ständig bewundernswerte Geschichten, von der Güte und Liebe von Lorraine und dass sich ihre Mutter immer um Pursy kümmern wollte. Gemerkt hat sie von all der mütterlichen Zuneigung reichlich wenig.

Die Dreiecksbeziehung entwickelt sich in jede erdenkliche Richtung und die Schauspieler lenken immer gemeinsam mit. Das Ensemble harmoniert  wunderbar miteinander, sodass wirklich der Eindruck aufkommt, dass alle Beteiligten wahnsinnig viel Spaß während des Drehs hatten. Erstaunlich blass bleibt dieses Mal aber die talentierte Scarlett Johansson. Schauspielerisch zumindest heben sich Gabriel Macht und natürlich John Travolta ziemlich ab. Insbesondere Travolta scheint für die Rolle geschaffen zu sein, zynisch, chauvinistisch und tiefgründig zugleich gibt er sich. Lange Zeit lässt er nichts an sich herankommen, beschützt von der Anwesenheit seines Protegés Lawson.

Der Clou des Drehbuchs besteht aus den kleinen Geheimnissen des Films. Zum Einen hat Pursy ihren Vater nie kennen gelernt. Doch sowohl der nette Nachbar, als auch alle anderen Freunde und Bekannte der Mutter haben sie geliebt und bewundert. Ist einer der Beteiligten Pursys Vater? Zum Anderen stellt sich die frage auf, warum Bobby in New Orleans im Suff ertrinkt und Lawson sich hat mitziehen lassen. Die Lösung dieser Frage hält Regisseurin und Drehbuchautorin Shainee Gabel gekonnt lange im Dunkeln, um sie wirklich emotional und sehr gekonnt auszuführen.

Ansonsten zieht die Musik den Zuschauer in seinen Bann und verleitet zum Mitsingen und Schaukeln. Aufgrund der tiefen Charaktere ist der Film wirklich sehr empfehlenswert. Scarlett Johansson erhielt sogar eine Golden Globe Nominierung für ihre Darstellung der Pursy Will, obwohl sie zumindest von Altmeister Travolta in den Schatten gestellt wird.

Lost in Translation (2003)

24. November 2009 Dos Corazones 2 Kommentare

Ein Rheinländer kann sich in Bayern schon mal schwerlich zurechtfinden, den eigenen Akzent abzuschalten und den des Gegenübers zu ignorieren und sich irgendwie verstehen zu können, fällt da nicht immer leicht. Das ist aber kein Vergleich zu dem Kulturschock, den Bill Murray und Scarlett Johansson in Sofia Coppolas oscarprämierten Film erleben.

Zwei amerikanische Bürger stranden in einem Hotel in Tokio. Bob Harris (Bill Murray), ein ehemaliger Filmstar, dreht aus der lieben Not heraus Werbung in der Millionenmetropole. Seine Familie lässt er in der Heimat zurück und vergisst zu allem Übel auch noch den Geburtstag seines Kindes. Charlotte (Scarlett Johansson) hat sich aus Langeweile entschieden, ihren Ehemann John (Giovanni Ribisi, Phoebes Halbbruder in „Friends“) zu begleiten. Der hat allerdings keine Zeit, sich mit ihr ins Stadtleben zu stürzen, da sein Job ihm jede Minute und eine Menge Energie kostet.

Ganz abgesehen davon, dass in Großstädten die Bewohner vollkommen anonym neben sich her leben, haben die beiden Amerikaner noch ein weiteres Problem: Sie sprechen kein Wort japanisch. Um diesem Manko vorzubeugen, steht Bob stets eine Dolmetscherin zur Seite, deren Übersetzung Bob aber ins Stutzen bringen – anscheinend haben Japaner sehr lange Wörter. Charlotte langweilt sich zwar nicht mehr in der Heimat, sitzt dafür den Tag über im Hotelzimmer, bis sie abends in der Bar Bob über den Weg läuft. Schnell merken sie, da haben sich zwei gesucht und gefunden. Denn von der Schauspielerin Kelly (Anna Farris) und Freundin von John ist viel zu oberflächlich und die Bekannte in Tokio vorerst uninteressant. Doch mit dem Aufeinandertreffen der zwei verlorenen Seelen ändert sich der Aufenthalt der beiden schlagartig.

Bob: What are you doing?
Charlotte: My husband’s a photographer, so he’s here working. I wasn’t doing anything so I came along.
Bob: What do you do?
Charlotte: I’m not sure yet, actually.
—————————
Charlotte: You’re probably just having a mid-life crisis. Did you buy a Porsche yet?
—————————
Bob: Can you keep a secret? I’m trying to organize a prison break. I’m looking for, like, an accomplice. We have to first get out of this bar, then the hotel, then the city, and then the country. Are you in or you out?
Charlotte: I’m in. I’ll go pack my stuff.
Bob: I hope that you’ve had enough to drink. It’s going to take courage.

Quelle: http://www.imdb.com/title/tt0335266/quotes

Bob und Charlotte lernen sich in einer schwierigen Phase ihrer beider Leben kennen. Der in die Jahre gekommene Filmstar sieht sich der Midlifecrisis gegenüber und sucht nach einer neuen Erfüllung in seinem Leben. Auch die Ehe hängt nur noch an losen Fäden. Ständige Reisen haben das Ehepaar auseinander getrieben. Die Kinder halten die Ehe scheinbar als letzte Instanz zusammen. Charlotte hat ihr Philosophiestudium abgeschlossen und sucht nun nach ihrer wahren Berufung. Ihr Ehemann hat keine Zeit sich auch noch mit ihren Problemen herumzuschlagen, auch wenn er sie liebt. Die junge Frau scheint zu begreifen, dass Liebe allein nicht ewig eine Beziehung am Laufen halten kann.

Langsam kommen sich die beiden Herumirrenden näher, vertrauen sich gegenseitig an, da sonst niemand da ist, dem sie sich öffnen können und wollen. Auf einen Schlag wird der Aufenthalt in Tokio zu einem wunderbaren Erlebnis für beide und die schönste Zeit ihres Lebens.

Trotz des relativ großen Altersunterschied der beiden Hauptdarsteller Scarlett Johansson und Bill Murray, die durch das Drehbuch allerdings auch vorausgesetzt wird, überzeugt die Beziehung der beiden Zueinander auf ganzer Linie. Ohne Abzüge nimmt man den beiden ab, dass sie Seelenverwandte sind, die beide verloren in der großen weiten Welt umher irren. Wenn man es so lapidar ausdrückt, wirkt der Film ein wenig banal, ist er jedoch überhaupt nicht.

Sofia Coppola führt nicht nur Regie, sie hat auch das Drehbuch verfasst. Für diese Arbeit erhielt sie auch den Academy Award und man kann ihr ihn nicht verdenken. Um Bob und Charlotte wird japanisch geplappert, wenn es nur möglich ist. Sind die beiden alleine, beherrscht eine drückende Stille den Raum. Wenn sich die beiden Treffen, berühren die sanften Dialoge und das fröhliche Lachen den Zuschauer. Dass die Bilder den Eindruck noch verstärken, dass die beiden „verloren“ sind, muss bei ihrem Können wohl kaum  noch erwähnt werden. Die Bildsprache beherrschte Sofia Coppola schon vier Jahre zuvor wirklich gut, steigert in Tokio die Impressionen aber noch weiter.

„Lost in Translation“ ist ein humorvolles Drama um zwei Menschen, deren Leben auf den Kopf gestellt wurde, ohne es selbst verursacht zu haben. Diese Lebenssituationen passen aber zusammen wie die beiden Schauspieler, die sich in ihrer Leistung gegenseitig wundervoll ergänzen – ein durch und durch gelungener Film in einer fremden Kultur.

The Horse Whisperer (1998)

23. November 2009 Dos Corazones Kommentieren

Zarte 13 bis 14 Jahre jung und schon auf der großen Leinwand zu sehen. Und dass nicht etwa in einem schnöden Teeniefilm, sondern in einem waschechtem Drama/Liebesfilm. Nun, Scarlett Johansson hatte vor über 10 Jahren mit der Romanze wenig zu tun, tragisch ging es ihrer Rolle schon eher an den Kragen.

Grace (Scarlett Johansson) liebt ihr Pferd Pilgrim über alles. Um mit ihrer besten Freundin auszureiten, schleicht sie sich aus dem Haus und läuft zum Stall. Bester Laune beginnt der Reitausflug und endet schließlich in einem folgeschweren Unglück. Graces Freundin und ihr Pferd werden von einem tonnenschweren Truck erwischt, überleben diesen Unfall nicht, während Grace selbst schwer verletzt und traumatisiert am Leben bleibt. Nachdem ihr das rechte Bein amputiert werden musste, ist das bloß eine äußere Änderung in ihrem Leben. Denn so schnell und einfach schafft sie es verständlicherweise nicht wieder in den Alltag hineinzufinden. Deshalb beschließt sie, ihr Pferd wiedersehen zu wollen. Doch sie muss feststellen, dass auch Pilgrim schwerste Wunden davongetragen hat und ebenfalls traumatisiert sein Dasein fristet. Ihre Mutter Annie MacLean (Kristin Scott Thomas) beschließt, Hilfe für Pilgrim zu suchen, weil sie dessen Heilung als einzi9g verbliebenes Heilmittel für ihre Tochter sieht. Dabei stößt sie auf den Pferdeflüsterer Tom Booker (Robert Redford), der sie vorerst abwimmelt.  Entgegen aller Einwände ihres Mannes Robert (Sam Neill) und Grace fährt sie mit Pilgrim und ihrer Tochter über tausend Meilen weit von New York ins beschauliche Montana. Tom nimmt sich letztlich doch ihres Pferdes an, unter der Voraussetzung, dass Grace ihm mit Pilgrim hilft. Schon nach kurzer Zeit kümmert sich Tom nicht nur noch um das Pferd, sondern auch um Grace und ihre Mutter, deren Beziehung zueinander zerrüttet ist wie nie zuvor. Annie verliebt sich dabei in Tom und sieht sich bald einem nicht entfliehbarem Konflikt gegenüber.

[Upon having her leg amputated]
Grace: Who’s going to want me now?
———————-
Tom Booker: There was a boy from the Blackfeet reservation, he used to do some work around here for a while. Sixteen, strong kid, good kid. He and I were really, really good friends. One day he went swimming and dove headfirst into the lake… and right into a rock. And it snapped his neck, paralyzed him. And after the accident I’d look in on him from time to time. But he wasn’t there. It was like his mind, his spirit, whatever you want to call it, just disappeared. The only thing left was just anger. Just sort of as if the… the boy I once knew just went somewhere else.
Grace: I know where he goes.
Tom Booker: I know you do. Don’t you disappear.

Quelle: http://www.imdb.com/title/tt0119314/quotes

„Der Pferdeflüsterer“ legt sich nicht auf Genregrenzen fest. Mal stehen Pilgrim und Grace im Vordergrund, doch phasenweise drängt sich die Liebesgeschichte um Tom und Annie vor. Im Herzen scheint der Film sich aber eher ein Drama zu sein, in dem sich eine Liebesgeschichte entwickelt. Denn den Rahmen bildet ganz klar die Verfassung der jungen Grace. Zuerst durchaus glücklich, bis sie sich nachvollziehbar zu einem scheuen und zurückgezogenem Mädchen entwickelt. Gerade aufgrund dieser schwierigen Entwicklung muss man Scarlett Johanssons Leistung hoch einschätzen. Denn Grace wird tatsächlich zu einer Identifikationsfigur und ihr charakteristischer Wandel wirkt durchaus glaubhaft.

Wie es im Filmgeschäft aber oft vorkommt, geraten die eigentlichen Hauptfiguren ein wenig in den Hintergrund, wenn die übrigen Rollen von Stars besetzt werden. Der Film trägt ja schon den Titel „Der Pferdeflüsterer“. Doch die Geschichte konzentriert sich zu sehr auf Tom Booker alias Robert Redford, welcher auch gleich noch in die Rollen des Regisseurs und Produzenten schlüpfte. Auch Kristin Scott Thomas rückt sehr in den Vordergrund, wodurch der Film sich phasenweise wirklich zu einem Liebesfilm entwickeln kann, wobei der Fokus doch eher auf Grace liegen sollte.

Möglicherweise sollte einer jungen Darstellerin auch nicht zu viel zugemutet werden, Scarlett Johansson lässt jedoch einiges an Talent aufblitzen und wird vom restlichen Ensemble willig in seine Reihen aufgenommen und auch nicht von Oscargewinner Robert Redford gnadenlos in den Schatten gestellt. Tatsächlich ist das Casting sehr gelungen, da alle Schauspieler gut miteinander harmonieren und die verschiedenen Rollen und gegenseitige Beziehungen authentisch auf die Leinwand übertragen können. Mit Chris Cooper („American Beauty“) und Dianne Wiest („Edward mit den Scherenhänden“) hat Redford gleich noch zwei weitere oscarprämierte Schauspieler ins Team locken können – bei so viel schauspielerischem Können kann ja nicht viel schiefgehen.

Tatsächlich ist eben der größte Haken an der Geschichte, dass Redford nie ganz genau weiß, in welche Richtung er den Film letztlich lenken will und wo der Fokus liegen soll. In Gedanken bleibt dieser zwar doch auf Graces Schicksal. Auf auf der Leinwand wandert er jedoch zu häufig hin und her. Neben der tollen Schauspielerriege bieten die wunderschönen Naturaufnahmen noch einiges an Schauwerten und schlagen das Publikum in ihren Bann. Für Pferdefans führt hingegen kein Weg an diesem Film vorbei.