Hannibal (2001)

6. November 2009 Dos Corazones 2 Kommentare

hannibal_bild_1Dr. Hannibal Lecter hat bereits in „Schweigen der Lämmer“ die FBI-Agentin Clarice Starling in die Irre geführt. Mit seinen perfiden Psychospielen brachte er auch die gestandene Agentin ins Wanken. In „Hannibal“ ändert sich daran recht wenig, nur das Julianne Moore Miss Starling spielt und nicht mehr Oscar-Preisträgerin Jodie Foster. Hinter der Kamera nahm das Regiegenie in Sachen Action Ridley Scott Platz.

Das einzig überlebende Opfer des Kannibalen und Psychiaters Dr. Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) Mason Verger (Gary Oldman), entstellt durch den Einfluss Lecters, sinnt nun auf Rache. Mithilfe von Clarice Starling soll der entflohene Lecter nun endlich festgenommen werden. Während Clarice neuen Spuren nachgeht, nachdem sie einen Brief von Lecter erhalten hat, muss sie sich auch vor dem Justizministerium verantworten. Denn bei ihren letzten Einsätzen kam es vermehrt zu Komplikationen und Todesfällen. Tatsächlich aber hat Mason ein Kopfgeld auf den Kannibalen ausgeschrieben, 3 Millionen Dollar.

Diese Summe kommt Inspektor Pazzi (Giancarlo Giannini) gerade recht. Aufstiegschancen gibt es für ihn nicht, gerade erst wurde ihm ein wichtiger Fall entzogen. Nun soll er das Verschwinden eines florentinischen Bibliothekars aufklären. Dessen Nachfolger Dr. Fell entpuppt sich als Dr. Hannibal Lecter. Ein gefundenes Fressen für Pazzi, der den Kannibalen auf eigene Faust fassen will. Doch dabei unterschätzt er Lecters Fähigkeiten und schlägt alle Warnungen von Starling in den Wind, die mittlerweile den Aufenthaltsort Lecters herausgefunden hat – die Spielchen von Lecter beginnen von Neuem…

Machen wir es kurz, „Hannibal“ kommt nicht mal annähernd an das Prequel von 1991 heran. Das liegt nicht etwa daran, dass Julianne Moore kein guter Ersatz für Jodie Foster wäre, sondern vielmehr an der weniger dichten Atmosphäre. Am anfang darf Ridley Scott sich in einer Actioneinlage zumindest ein bisschen austoben, danach verliert sich der Film aber in einem Katz-und-Maus-Spiel, das nicht mehr so zu packen vermag wie im „Schweigen der Lämmer“.

Barney: Do you ever think he might come after you? You ever think about him at all?
Clarice Starling: Well, at least thirty seconds of everyday. I can’t help it. He’s always with me, like a bad habit.
———————
Hannibal Lecter: Mason Verger doesn’t want to kill me any more than I want to kill him. He just wants to see me suffer in some unimaginable way. He is rather twisted, you know.
———————
Hannibal Lecter: Given the chance, you would deny me my life, wouldn’t you?
Clarice Starling: Not your life.
Hannibal Lecter: Just my freedom. You’d take that from me.

Quelle: http://www.imdb.com/title/tt0212985/quotes

Anthony Hopkins macht seine Sache wieder gut, aber auch er kann seine eigene Interpretation vom Psychiater und Menschenfresser von vor zehn Jahren nicht wiederholen. Immerhin bildet er zusammen mit Julianne Moore einen Lichtblick im Thriller. Denn wieder einmal stechen die Dialoge zwischen Hannibal und Detective Starling aus dem Drehbuch hervor. Erneut wird aus der Jagd nach Lecter eine psychologische Analyse der Jägerin, die sich damit einmal mehr herumschlagen muss. Was Hopkins im Sequel nicht mehr herüber zu bringen vermag, was vielleicht auch am Skript liegt, ist die unaufhörliche Bedrohung.

Zwar bricht Lecter in Clarice Starlings Haus ein und führt seine Psychoanalyse weiter, natürlich bleibt er über die gesamte Spanne des Films sehr ruhig und „cool“, aber nur gegen Inspektor Pazzi lässt er sich wieder auf sein altes Spiel ein. Da wirkt er wieder wie ein geduldiger, planender Killer, der Spaß am Leiden seiner Opfer hat. Doch kurz darauf wird er eher zu einem stupiden Abklatsch einer Killermaschine, da er wie aus dem Nichts auch noch zwei bewaffnete Gegner angtreift und ihnen anschließend entkommt.

Als Hannibals Gegenpart tritt der psychisch labile Mason Verger in Erscheinung. Vollkommen entstellt, dabei sieht die Maske in vollem Lichterschein nicht mehr so authentisch aus, wie es durchaus möglich gewesen wäre. Für Gary Oldman war die Aufgabe nicht leicht, der Figur seinen Stempel aufzudrücken. Denn mit mimik ist unter der Maske nicht viel zu reißen, was widerum gut ins Bild passt, da das Gesicht nur noch rudimentär auf seinem Schädel sitzt. In der deutschen Synchronisation ist möglicherweise somit die gesamte schauspielerische Kunst von Oldman verloren gegangen. Denn Mason Verger sitzt auch im Rollstuhl oder liegt in seinem Bett – auf Gestik musste Oldman aus diesem Grund auch weitgehend verzichten.

Als späte Zugabe zum ausgezeichneten „Schweigen der Lämmer“ kann „Hannibal“ nicht gerade dienen. Der Film ist nicht schlecht, kann sich aber in keiner Hinsicht mit seinem Vorgänger messen, was eine große Enttäuschung ist. Fans von Anthony Hopkins kann man den Film empfehlen, alle anderen können sich immerhin noch an der schönen Kulisse von Florenz erfreuen.

El Maquinista (2004)

2. November 2009 Dos Corazones 3 Kommentare

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[first lines]
Ivan: Who are you?

Kaum wiederzuerkennen, so abgemagert und mit tiefen, blauen Augenringen auf totenblasser Haut. So hat man Christian Bale und wohl auch keinen anderen Hollywoodschauspieler je in einem Film gesehen. Fast 30 Kilo speckte der damals noch künftige Batman-Star für seine Rolle ab – Rekord. Alles andere als mager entpuppt sich jedoch der gut durchdachte Thriller.

Trevor Reznik (Christian Bale) ist ein Maschinist, arbeitet in einem großen Fabrikgebäude ohne Abwechslung und ohne Flexibilität. Beziehungen zu seinen Arbeitskollegen führt er nicht, wenn überhaupt redet er vor und nach getaner Arbeit mit seinen Kollegen. Seine einzigen Bezugspersonen sind die Prostituierte Stevie (Jennifer Jason Leigh), derer bester Kunde er ist, und die Kellnerin eines Flughafencafés Marie (Aitana Sánchez-Gijón). Beide bezahlt Trevor gut für ihre gemeinsame Zeit, obwohl beide Frauen gerne mit ihm Zeit verbringen und sich große Sorgen um ihn machen.

Trevor leidet an akuter Schlaflosigkeit, nach einigen Angaben hat er seit einem Jahr nicht mehr geschlafen. Ganz blass ist er im Gesicht, abgemagert bis auf die Knochen, nach und nach mit immer tieferen Augenringen. Wenn er überhaupt mal etwas isst, scheint es ein Kraftakt für ihn zu sein, wie alles andere auch. Ohne Erholung und Energiezufuhr wirkt Trevor zunehmend müder und ausgelaugter. Dann trifft er auf dem Parkplatz der Fabrik den geheimnisvollen Ivan (John Sharian), dessen Treffen Trevor in ein noch tieferes Chaos stürzen als so schon. Mit der Zeit leidet er auch noch unter Verfolgungswahn, tatsächlich bricht jemand in seine Wohnung ein und hinterlässt Post-its mit kurzen Nachrichten an Trevor. Als er dann in der Fabrik einen Unfall versehentlich verschuldet, wodurch ein Mitarbeiter seinen linken Arm verliert, fangen Schrecken und Selbstzweifel gerade erst an.

Stevie: Trevor, I’m worried about you.
Trevor Reznik: Don’t worry. No one ever died of insomnia.
Stevie: [giggles] I hope not. You’re my best client. Can’t afford to lose you.
Trevor Reznik: Gee, thanks.
——————
Trevor Reznik: You lying whore!
Stevie: Get the fuck out of here! You fucking freak!
——————
Ivan: Oh, no. You look like you seen a ghost.
Trevor Reznik: Funny you should say that. The guys at work don’t think you exist.
Ivan: That’s why I can’t get a raise.

Quelle: http://www.imdb.com/title/tt0361862/quotes

The Machinist ist eine klare One-Man-Show vom heutzutage omnipräsenten Christian Bale. Die Berechtigung, große Rollen in Blockbusterfilmen zu übernehmen, unterstreicht er in der Rolle Trevors. Seine Leistung ist wirklich über jeden Zweifel erhaben. Nicht zuletzt, wenn man sieht, was sich Christian Bale für diese Rolle angetan hat. Fast ein Drittel seines Körpergewichts hat er abgenommen und er hätte von sich aus noch weiter gehungert. Diese Enthaltsamkeit beim Essen und die Leiden, die er in seiner strikten Diät (bestehend aus Äpfeln und Kaffee) sicherlich durchstehen musste, haben ihn  für die Rolle bestens vorbereitet. Er selbst sagt, dass er kaum geredet habe, wenn er nicht vor der Kamera gestanden habe, weil er einfach zu schwach dafür gewesen sei. Dabei sind einige Szenen nicht gerade ohne, was in Sachen Aktivität von Bale gefordert wurde, umso mehr Respekt muss man ihm für seine Rolle zollen.

Neben Bale muss insbesondere das Drehbuch hervorgehoben werden. Der Fokus liegt, wie oben schon angedeutet, vollkommen auf dem Charakter Trevor Reznik. Der Zuschauer sieht den gesamten Film, wie Trevor die Welt wahrnimmt. Dadurch geschehen einige verwirrende Ereignisse, die jedoch spätestens am Ende aufgedeckt werden. Es lohnt sich also, den Film von Anfang bis zum Schluss zu schauen und nicht zwischendurch auszuschalten. Denn erst wenn der Film als gesamte Einheit betrachtet wird, erschließt er sich dem Zuschauer. Das ist vor allem den gelungenen Plottwists zu verdanken, die zum Teil aber auch schnell durchschaut und vorhergesehen werden können. Das schmälert die hervorragende Leistung des Drehbuchautors aber in keiner Weise.

Nicht von ungefähr wird der Film mit David Finchers gesellschaftskritischem Film Fight Club mit Edward Norton und Brad Pitt verglichen. Der Protagonist hat ähnliche Probleme wie Nortons Figur (z.B. leiden beide unter Schlaflosigkeit, mehr sei hier nicht verraten) und auch die durch die Kondition der Hauptpersonen erzeugte Atmosphäre der Filme ähnelt sich. Die Hintergründe für die Probleme sind allerdings grundverschieden, wodurch The Machinist als sehr guter Psycho-Thriller eine Alternative zu Fight Club darstellt, ohne allerdings an die Klasse von Finchers Meisterwerk heranzureichen und wohl auch nicht an den Rekord von Christian Bale.

The Virgin Suicides (1999)

30. Oktober 2009 Dos Corazones 4 Kommentare

the_virgin_suicides_plakat_1Es ist mal wieder erstaunlich, was deutsche Filmverleihe aus Originaltiteln amerikanischer Filme machen. Das Buch von Jeffrey Eugenides trägt hierzulande den Titel „Die Selbstmordschwestern“, erschien 1993, sechs Jahre vor der Verfilmung. Da kann man den Titel natürlich schon mal vergessen. Wie aus „The Virgin Suicides“ dann aber „Das Geheimnis ihres Todes“ wird, wird wohl ewig ein Geheimnis bleiben.

Nichtsdestotrotz trifft der Titel den Kern des Films. Eine Gruppe pubertierender Jungen berichtet über die fünf Lisbon-Schwestern. Sie wachsen unter den strengen Augen der konservativ-katholischen Mutter und des untergeordneten Vaters auf. Nach einem Selbstmordversuch der jüngsten Schwester ändern die Eltern  die Erziehungsmaßnahmen und lassen nun Besuche von Jungen zu. Auf der ersten Party der Lisbon-Schwestern ihres Lebens, nimmt sich die jüngste dieses nun endgültig.
Daraufhin kehren die Eltern zu ihrer strikten Linie zurück. Währenddessen erregt der Selbstmord des jungen Mädchens auch öffentliche Aufmerksamkeit. In der Schule werden Veranstaltungen über das Thema gehalten, was es den Schwestern nicht einfacher macht, mit ihrer schwierigen Situation zurecht zu kommen.

Um so erstaunlicher, dass es Lux (Kirsten Dunst) mittlerweile schon um einiges besser zu gehen scheint, sie trifft sich mit vielen Jungen in der Schule, welche von haarsträubenden Liebesaffären berichten – Lux hält nicht viel von den Ansichten ihrer konservativen Mutter. Dann verliebt sie sich in Trip (Josh Hartnett). der sie zum Abschlussball einladen möchte. Doch die Regeln der Eltern sehen eine solche Verabredung nicht vor. Als sich eine Gruppe Jungen dazu einspannen lässt, die anderen Lisbon Schwestern auszuführen, nimmt das Chaos einen neuen Anfang.

Als Tochter von Francis Ford Coppola wäre es verwunderlich gewesen, wenn Sofia Coppola nicht das Talent ihres Vaters geerbt hätte. Die Geschichte fokussiert sich auf die Lisbon-Schwestern, Coppola verzichtet aber darauf, detaillierte Charaktere zu erschaffen – was durch einen klugen Kniff allerdings kein Kritikpunkt ist. Denn die Geschichte wird von außen betrachtet, vier Jungen beobachten die Mädchen durch das Teleskop im Schlafzimmer von einem der vier. Die Entwicklung, die die Mädchen durchgehen, versuchen die Jungen zu verstehen, kommen aber über das Oberflächliche, was sie sehen können, nicht hinaus – so bleibt auch der Selbstmord, so viel darf bei dem Originaltitel wohl verraten werden, der fünf Schwestern unbegreiflich.

Die Mädchen leiden stark unter dem strengen Regiment der Eltern, das später soweit geht, dass die Kinder nicht mal mehr das Haus oder zumindest den Vorgarten nicht verlassen dürfen, nicht mehr zur Schule gehen und deren Eigentum weggeschmissen wird. Insofern leuchtet die Tat der Schwestern dem Zuschauer ein. Was die Mädchen am Ende jedoch inszenieren, gibt aber auch noch einen weiteren Grund für diese verstörende Tat.

Am Anschluss zum Abschlussball führt Trip Lux auf das Footballfeld, wo die beiden miteinander schlafen. Lux erwacht am nächsten Morgen allerdings ohne Notiz von Trip alleine und verlassen. Trip meldet sich nie wieder bei seiner Tanzpartnerin. Auch die übrigen Verabredungen der Schwestern melden sich wider Versprechen nicht. Die Inszenierung ihrer Selbstmorde könnte auch als Rache ans männliche Geschlecht verstanden werden.

Der Film lässt auf jeden Fall viel Spielraum bei seiner Interpretation. Darauf deutet ja auch schon der deutsche Filmtitel hin. Denn „Das Geheimnis ihres Todes“ bleibt ein Mysterium, ist dementsprechend nicht leicht zu begreifen. Ohne Zweifel wird eine zu strenge und strikte Erziehung stark kritisiert, selbst wenn diese nur als Katalysator für die furchtbaren Vorgänge wirkt. Erstaunlich ist aber das generelle Bild der Gesellschaft. In der Familie steht die Mutter (Kathleen Turner) klar über ihrem etwas weltoffenerem Mann (James Woods).Gerade Lux zeigt, dass das weibliche Geschlecht dem männlichen Pendant überlegen sein kann und das mit ganz einfachen Mitteln. Dass der Film Werbung für die Emanzipation der Frau macht, wäre aber vollkommen übertrieben. Im Vordergrund stehen die unergründlichen Naturen der Mädchen, die sich dem Zuschauer wahrscheinlich auch nicht erschließen werden. Nichtsdestotrotz bietet der Film einiges an Diskussionsstoff und ist auch ohne Spannungsmomente sehr atmosphärisch und bleibt selbst bei solch extremen Familienverhältnissen, die sicherlich überspitzt dargestellt werden, äußerst glaubhaft.