Russel Crowe nimmt den Zuschauer mit in die Arbeit eines Tageszeitungsjournalisten, die in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten längst nicht so langweilig verläuft wie die eines Lokalblattes. Mit Rachel McAddams und Ben Affleck geht er zwei Toten nach, die auf den ersten Blick rein gar nichts mit einander haben und zeigt auf diesem Weg auch gleich den Wandel im Journalismus hin zum Internet.
Ein Junkie wird nachts in einer Seitenstraße der amerikanischen Hauptstadt erschossen, ein Radfahrer, der zufällig den Mörder sieht wird ebenfalls vom Täter ins Visier genommen, fällt aber lediglich ins Koma. Am nächsten Tag stirbt Sonia Baker bei einem Unfall in einer U-Bahn Station. Letztere war an einem Prozess beteiligt, in dem ein Sicherheitskonzern, der mit Söldnern die Armee in Krisengebieten unterstützt, angeklagt ist. Washington Globe Redakteur Cal McAffrey (Russel Crowe) hat nach 15 Jahren Erfahrung in der Branche ein einzigartiges Gespür für Top-Stories. Bei seinen Recherchen im Mordfall stößt er tatsächlich auf Hinweise, die beide Vorfälle verbinden. Das Problem dabei: Er gräbt zwar immer tiefer, landet jedoch in einem Sumpf von Vermutungen, Anschuldigungen und nur wenigen stichhaltigen Beweisen. Cal vermutet, dass der angeklagte Konzern hinter dem Mord und dem vermeidlichen Unfall steckt. Die neue Onlineredakteurin und Bloggerin Della Frye (Rachel McAddams) ist mit dem Unfall in der U-Bahn beauftragt worden und bittet den alten Haudegen um Unterstützung. Der ist jedoch so gar nicht von der neuen Richtung, die der Journalismus im Internet einschlägt, erfreut und kooperiert erst nach einer kleinen Unterredung mit seiner Chefin Cameron Lynne (Helen Mirren), für die vor allem die Verkaufszahlen der Zeitung wichtig ist. Sonia Baker hatte offensichtlich ein Verhältnis mit dem Kongressabgeordneten Stephen Collins (Ben Affleck), einer der aktivsten Kläger gegen den Sicherheitskonzern und alter Freund von Cal. Stephen sucht für eine Nacht bei Cal Unterschlupf vor den Paparazzi, die ihm vor seinem Haus auflauern und bittet den Journalisten auch gleich um Hilfe. Denn es gibt durchaus Hinweise und Vermutungen, dass Sonia ermordet wurde und zwar im Auftrag des angeklagten Konzerns. Cal willigt ein, auch dem Todesfall von Sonia Baker nachzugehen, schließlich hebt er nebenbei eine riesige Story aus, und bringt sich und seine Kollegin Della sogar in Gefahr.
Kevin MacDonald inszenierte State of Play auf Grundlage der gleichnamigen britischen Mini-Serie, dort führte übrigens David Yates Regie, und machte daraus einen zweistündigen und dialoglastigen Thriller. Im Vordergrund steht die Rechercheabreit von Cal McAffrey, der wie ein guter alter Journalist mit Stift und Papier herum telefoniert, Kontakte und Tatorte aufsucht und Spuren nachgeht. Im Gegensatz zu ihm steht die junge Onlineredakteurin Della, die als Bloggerin die Blogosphären durchleuchtet und so an die wichtigen Informationen gelangt. Diese Gegenüberstellung von zwei grundverschiedenen Auffassungen von Journalismus wird zu Beginn sehr deutlich herausgestellt, genauso wie Cals Abscheu gegenüber diesen neuartigen Methoden. Über den beiden steht ihr Boss, Cameron Lynne hat zwar anfangs durchaus Verständnis für ethische Konflikte der Reporter, sieht sich aber auch dem Druck der Verkäufe ihres Blattes gegenüber. Zum Einen erzählt State of Play die sehr spannende Recherche der Redakteure nach den Vorkommnissen, zum Anderen stellt er auch die Problematik der Entwicklung der Medien dar, dem Drang weg von Printmedien hin zum Internet. Dazu spielt die Beziehung zwischen Cal und Stephen und dessen Frau noch eine nebensächlichere Rolle, die aber gut ins Gesamtbild passt.
Herausragen kann der Thriller aber besonders durch seine Darsteller. Russel Crowe verkörpert eben eine zu aussterben drohende Art von Journalisten, der voll und ganz für seinen Job lebt. Obwohl er sich anfangs sehr abweisend zu seiner neuen Kollegin Della verhält, zeigt er doch mit zunehmender Dauer ihrer Zusammenarbeit freundliche Züge. Diese entgegnet er auch seinem langjährigen Freund Stephen, wohl auch im Wissen, dass Cal mit Stephens Frau geschlafen hat – das tut keiner Freundschaft besonders gut, dennoch ist Crowes Rolle durchweg sympathisch. Dasselbe gilt für Della Frye. Sie ist neu im Geschäft und will sich unbedingt vor ihren Kollegen und ihrem Boss beweisen, weshalb sie zu Beginn auch mächtig Klatsch und Tratsch über die Affäre von Stephen und seiner Angestellten Sonia Baker aufdecken möchte. Im Laufe der langwierigen Recherchen lernt sie aber die ethischen Basis ihres Vorbildes Cal McAffrey kennen und zu schätzen. Ben Affleck gibt einen zermürbten Abgeordneten. Um nach der schlechten Publicity nicht noch zusätzlich ins Rampenlicht zu geraten, soll er im laufenden Prozess, den er selbst angekurbelt hatte, vorerst kürzer treten. Ihm kauft der Zuschauer seine Gefühlswelt jedenfalls ab, Stephen steht schließlich am Tiefpunkt seines Lebens, da auch seine Frau von der Affäre erfahren hat.
State of Play ist ein eher gemächlicher Thriller, der durch eine Welle von hervorragend geschriebenen Dialogen vorangetrieben wird und nur sehr wenige Actionszenen enthält. Spannung baut MacDonald durch die Bedrohung auf, der sich Cal und Della entgegensehen. Denn durch ihre vorbildliche Arbeit sind sie schon bald auf einer heißen Spur und dem mächtigen Verdächtigen scheint dies nicht zu entgehen. Dass der Film viele Szenen in der Dunkelheit hat, versteht sich fast schon wie von selbst. Immerhin verschlingt die Recherche Unmengen von Arbeitsstunden, weshalb die Journalisten Tag und Nacht nachforschen und schreiben. Außerdem bietet das Dunkle zusätzlich ein unbehagliches Gefühl, dass Russel Crowe perfekt auf die Zuschauer zu übertragen weiß.
Ein ausgeklügelter Thriller mit Top-Darstellern, Top-Drehbuch und einem genial eingefädelten Plot-Twist: der bisher beste Thriller 2009!
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Auch wenn ich den Film weit nicht so gelungen fand, wie du, so muss ich doch sagen: Top Kritik! Schon etwas deprimierend, wenn dann nicht einmal ein lausiger Kommentar dazu kommt.
Na, du hast mir hiermit ja aus der tiefen Depression geholfen
Na ja, zu der Zeit war ich es noch gewohnt, wenige bis keine Kommentare zu erhalten, das ändert sich mit den Jahren auf dem Blog ein wenig.