Al Pacino in seiner Paraderolle als Narbengesicht Tony Montana in Brian de Palmas blutigem Gangsterdramas – ein Muss!
Antonio Montana (Al Pacino) kommt als politischer Flüchtling aus dem von Fidel Castro umgemodelten Kuba nach Amerika. Dort wird er mit seinem Kumpel Manny Ribera (Steven Bauer) auf Grund ihrer kriminellen Vergangenheit jedoch nur in ein Asylbewerberlager gebracht. Mit der Kriminalität ist allerdings noch längst nicht Schluss. Nachdem Tony und Manny einen ehemaligen kubanischen Politiker ermordet haben, werden ihre Anträge auf politisches Asyl statt gegeben. Den amerikanischen Traum hat sich Tony allerdings anders vorgestellt als in einer Imbissbude an der Straße Geschirr zu schrubben. Dann taucht ihr Auftraggeber Omar (F. Murray Abraham) auf, mit einem neuen schmutzigen Job im Angebot. Der kostet einem weiteren kubanischen Flüchtling, den sie für den Job anheuern das Leben – Tony steigt in der Gunst des Mafiosi Frank Lopez (Robert Loggia) enorm auf. In kürzester Zeit wird Tony mehr und mehr zu Franks rechter Hand, wobei er sich in dessen Frau Elvira Hancock (Michelle Pfeiffer) verguckt. Probleme entstehen aber erst, als Tony selbst zum Boss eines Drogenrings wird und mehr und mehr Millionen scheffelt und von seinem eigenen Kokain abhängig wird. Als Tony herausfindet, dass Manny sich mit seiner Schwester Gina (Mary Elizabeth Mastrantonio) verabredet, dreht Tony völlig durch.
Wie es sich für einen Gangsterfilm gehört, fließt in Scarface reichlich Blut. Besonders die krasse und für die FSK unzumutbare Szene mit einer Kettensäge zeigt in der ungekürzten Version einen hohen Grad an Brutalität (wobei sich der Film nie in Splatter verirrt). Brian de Palma reduziert sein Epos jedoch keineswegs auf die Gewalt der Gangster. Im Vordergrund steht ganz klar Tony Montana, der Mann, der mit nichts nach Amerika kam und die Welt erobern wollte. Tony will nichts weiter als den amerikanischen Traum leben, seine Art und Weise das Ziel des sagenumwobenen Traumes zu erreichen, erläutert er in einem wirklich herausragenden Monolog in einem Restaurant:
Tony Montana: What you lookin’ at? You all a bunch of fuckin’ assholes. You know why? You don’t have the guts to be what you wanna be? You need people like me. You need people like me so you can point your fuckin’ fingers and say, “That’s the bad guy.” So… what that make you? Good? You’re not good. You just know how to hide, how to lie. Me, I don’t have that problem. Me, I always tell the truth. Even when I lie. So say good night to the bad guy! Come on. The last time you gonna see a bad guy like this again, let me tell you. Come on. Make way for the bad guy. There’s a bad guy comin’ through! Better get outta his way!
Was beim Lesen schlicht und ergreifend fehlt, und aus diesem Grund sollte man sich den Film im Originalton ansehen, ist Al Pacinos genialer kubanischer Akzent. Bei diesem Zitat fällt es nicht stark auf, aber im Film wird verdammt oft geflucht, sage und schreibe 226 nutzen die Charaktere das kleine Wörtchen “Fuck” bei einer Laufzeit von etwa 165 Minuten – da kann auch In Bruges nicht mithalten.
Al Pacino muss für seine Darstellung nicht mehr als mit Lob übersät werden. Das Zitat zeigt es ja schon, er spielt den “Bösen”. Tatsächlich aber bleibt Tony Montana trotz seiner Aggressivität und seinem Hang zur Brutalität bis zum Schluss der Sympathieträger, wenn man von seinen Freund und Partner Manny einmal absieht. Obwohl Tony kein dummer Mann ist, scheint er auch mit einem gewissen Grad an Naivität an die Aufgaben eines Drogenbarons anzugehen und ist zuweilen gar kindlich. Die meiste Zeit aber besteht er durch seine Kenntnisse, wie es in der Unterwelt zugeht. Was für ihn zählt sind “balls”, also Mut.
Tony Montana: The only thing in this world that gives orders… is balls.
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Tony Montana: I never fucked anybody over in my life didn’t have it coming to them. You got that? All I have in this world is my balls and my word and I don’t break them for no one. Do you understand? That piece of shit up there, I never liked him, I never trusted him. For all I know he had me set up and had my friend Angel Fernandez killed. But that’s history. I’m here, he’s not. Do you wanna go on with me, you say it. You don’t, then you make a move.
Mut ist ein gutes Stichwort. Denn den brauchte Brian de Palma wohl auch, um diesen Film in dieser Form zu realisieren. Die derbe Gewalt, die derben Wortwahl und das schlechte Bild, das er auf Amerika wirft, sind allesamt nicht zu unterschätzen, wenn ein Film erfolgreich sein soll. Fakt ist aber: Er hat es richtig gemacht. Denn die Gewalt und die sich auf einem unterirdischen Niveau befindlichen Sprache passen einfach zum Setting. Diese Gangster kommen von ganz unten und wollen nach ganz oben. Tony ist dafür einfach das perfekte Beispiel. Seine rebellische Art, seine Manieren aus dem Gefängnis und seine Sitzhaltung ändert er auch nicht, wenn er gen Ende der Geschichte hinter einem großen Schreibtisch über sein Reich wacht.
“The World is Yours”, die Entscheidung den Film zu gucken auch. Aber wer will nicht die Welt für sich?
“Scarface” – einer meiner persönlichen Lieblingsfilm. Das mit dem Akzent stimmt voll und ganz. Dafür muss man sich den Film dann aber auch tatsächlich im Original-Ton anschauen.
Brian DePalmas Remake ist für mich einer der besten Gangster-/ Mafia-/ Drogen-Film aller Zeiten.