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Hannibal (2001)

hannibal_bild_1Dr. Hannibal Lecter hat bereits in „Schweigen der Lämmer“ die FBI-Agentin Clarice Starling in die Irre geführt. Mit seinen perfiden Psychospielen brachte er auch die gestandene Agentin ins Wanken. In „Hannibal“ ändert sich daran recht wenig, nur das Julianne Moore Miss Starling spielt und nicht mehr Oscar-Preisträgerin Jodie Foster. Hinter der Kamera nahm das Regiegenie in Sachen Action Ridley Scott Platz.

Das einzig überlebende Opfer des Kannibalen und Psychiaters Dr. Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) Mason Verger (Gary Oldman), entstellt durch den Einfluss Lecters, sinnt nun auf Rache. Mithilfe von Clarice Starling soll der entflohene Lecter nun endlich festgenommen werden. Während Clarice neuen Spuren nachgeht, nachdem sie einen Brief von Lecter erhalten hat, muss sie sich auch vor dem Justizministerium verantworten. Denn bei ihren letzten Einsätzen kam es vermehrt zu Komplikationen und Todesfällen. Tatsächlich aber hat Mason ein Kopfgeld auf den Kannibalen ausgeschrieben, 3 Millionen Dollar.

Diese Summe kommt Inspektor Pazzi (Giancarlo Giannini) gerade recht. Aufstiegschancen gibt es für ihn nicht, gerade erst wurde ihm ein wichtiger Fall entzogen. Nun soll er das Verschwinden eines florentinischen Bibliothekars aufklären. Dessen Nachfolger Dr. Fell entpuppt sich als Dr. Hannibal Lecter. Ein gefundenes Fressen für Pazzi, der den Kannibalen auf eigene Faust fassen will. Doch dabei unterschätzt er Lecters Fähigkeiten und schlägt alle Warnungen von Starling in den Wind, die mittlerweile den Aufenthaltsort Lecters herausgefunden hat – die Spielchen von Lecter beginnen von Neuem…

Machen wir es kurz, „Hannibal“ kommt nicht mal annähernd an das Prequel von 1991 heran. Das liegt nicht etwa daran, dass Julianne Moore kein guter Ersatz für Jodie Foster wäre, sondern vielmehr an der weniger dichten Atmosphäre. Am anfang darf Ridley Scott sich in einer Actioneinlage zumindest ein bisschen austoben, danach verliert sich der Film aber in einem Katz-und-Maus-Spiel, das nicht mehr so zu packen vermag wie im „Schweigen der Lämmer“.

Barney: Do you ever think he might come after you? You ever think about him at all?
Clarice Starling: Well, at least thirty seconds of everyday. I can’t help it. He’s always with me, like a bad habit.
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Hannibal Lecter: Mason Verger doesn’t want to kill me any more than I want to kill him. He just wants to see me suffer in some unimaginable way. He is rather twisted, you know.
———————
Hannibal Lecter: Given the chance, you would deny me my life, wouldn’t you?
Clarice Starling: Not your life.
Hannibal Lecter: Just my freedom. You’d take that from me.

Quelle: http://www.imdb.com/title/tt0212985/quotes

Anthony Hopkins macht seine Sache wieder gut, aber auch er kann seine eigene Interpretation vom Psychiater und Menschenfresser von vor zehn Jahren nicht wiederholen. Immerhin bildet er zusammen mit Julianne Moore einen Lichtblick im Thriller. Denn wieder einmal stechen die Dialoge zwischen Hannibal und Detective Starling aus dem Drehbuch hervor. Erneut wird aus der Jagd nach Lecter eine psychologische Analyse der Jägerin, die sich damit einmal mehr herumschlagen muss. Was Hopkins im Sequel nicht mehr herüber zu bringen vermag, was vielleicht auch am Skript liegt, ist die unaufhörliche Bedrohung.

Zwar bricht Lecter in Clarice Starlings Haus ein und führt seine Psychoanalyse weiter, natürlich bleibt er über die gesamte Spanne des Films sehr ruhig und „cool“, aber nur gegen Inspektor Pazzi lässt er sich wieder auf sein altes Spiel ein. Da wirkt er wieder wie ein geduldiger, planender Killer, der Spaß am Leiden seiner Opfer hat. Doch kurz darauf wird er eher zu einem stupiden Abklatsch einer Killermaschine, da er wie aus dem Nichts auch noch zwei bewaffnete Gegner angtreift und ihnen anschließend entkommt.

Als Hannibals Gegenpart tritt der psychisch labile Mason Verger in Erscheinung. Vollkommen entstellt, dabei sieht die Maske in vollem Lichterschein nicht mehr so authentisch aus, wie es durchaus möglich gewesen wäre. Für Gary Oldman war die Aufgabe nicht leicht, der Figur seinen Stempel aufzudrücken. Denn mit mimik ist unter der Maske nicht viel zu reißen, was widerum gut ins Bild passt, da das Gesicht nur noch rudimentär auf seinem Schädel sitzt. In der deutschen Synchronisation ist möglicherweise somit die gesamte schauspielerische Kunst von Oldman verloren gegangen. Denn Mason Verger sitzt auch im Rollstuhl oder liegt in seinem Bett – auf Gestik musste Oldman aus diesem Grund auch weitgehend verzichten.

Als späte Zugabe zum ausgezeichneten „Schweigen der Lämmer“ kann „Hannibal“ nicht gerade dienen. Der Film ist nicht schlecht, kann sich aber in keiner Hinsicht mit seinem Vorgänger messen, was eine große Enttäuschung ist. Fans von Anthony Hopkins kann man den Film empfehlen, alle anderen können sich immerhin noch an der schönen Kulisse von Florenz erfreuen.

  1. 6. November 2009 um 14:50 | #1

    Ich habe nur sehr vage, verzerrte Erinnerungen an den Film – damals fand ich ihn reichlich langweilig, die Story ziemlich dröge. Aber vielleicht müsste ich meine Erinnerungen noch mal auffrischen …

  2. 6. November 2009 um 21:10 | #2

    Naja, die Story fand ich nicht so schlecht, aber der Präsentation fehlt eben das gewisse etwas, was „Schweigen der Lämmer“ sehr viel besser gelang.

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