watched

The Other Boleyn Girl (2008)


Er liebt sie, er liebt sie nicht, dafür die andere…

Im Filmgeschäft gibt es seit jeher bestimmte Trends. Der neueste ist kaum zu übersehen, er heißt 3D und soll nicht nur im Kinosaal sondern auch im Wohnzimmer das Filmerlebnis revolutionieren. Seit einigen Jahren haben sich aber auch Kostümfilme an eine der vordersten Fronten der Filmverleiher geschoben. Wie die preisgekrönte TV-Serie Tudors, zeigt auch The Other Boleyn Girl die Trennung der englischen von der römisch-katholischen Kirche – und wer diese zu verantworten hat.

Heinrich VIII. (Eric Bana) ist mit seiner Frau nicht mehr zufrieden. Denn sie schenkt ihm bis auf die erste Tochter keinen Thronfolger – erst recht keinen männlichen. Die Adelsfamilie Boleyn, angeführt vom Onkel, agiert schnell und bietet dem König auf dessen Besuch die Dienste ihrer ältesten Tochter Anne (Natalie Portman) an. Als Maitresse des Königs soll sie ihm den lang ersehnten Prinzen gebären. Doch Anne übertreibt bei der Umwerbung des englischen Monarchen und dieser findet Gefallen an Mary (Scarlett Johansson), ihrer jüngeren Schwester, die erst vor kurzen den heiligen Bund der Ehe einging. Um der Familie zu mehr Ruhm zu verhelfen, folgen die Boleyns den König zum Hofe und er bedient sich seiner neuen Abendgesellschaft Mary. Sie wird schwanger und gebärt einen Sohn – jedoch einen Bastard. Anne, die vor Neid und Wut kocht, kehrt an den Königshof zurück und spinnt fortan ihre Intrigen. Henry verliebt sich in sie, doch Anne will ihm erst als Königin von England nachgeben. Die Intrigantin lässt ihre Schwester wegschicken, einen Prozess gegen die Gattin des Königs beginnen und führt Henry sogar bis zum Bruch mit dem Vatikan. Ein gefährliches Spiel, dessen Erfolg lediglich an dem Geschlecht des gemeinsamen Kindes einen glücklichen Ausgang finden kann.

The Other Boleyn Girl zeichnet sich in erster Linie durch den hervorragenden Cast aus. Eric Bana als unzufriedener Monarch gerät allerdings voll in den Hintergrund und auch Scarlett Johansson hat eine undankbare Rolle in der zweiten Reihe erhalten. Denn Natalie Portman hat mit der Figur der Anne Boleyn, den interessantesten Charakter auszufüllen und haucht diesem Leben ein. Anders als hinter der Schminke als Königin in Star Wars steht sie hier trotz längerer Passagen von völliger Bildschirmabstinenz im Vordergrund und spielt sich auch dorthin. Eine Intrigantin zu spielen, einen undurchschaubaren Charakter, ist zwar nicht leicht, dafür umso interessanter als die blasse Schwester, Mary, die Johansson sicher nicht an ihre Grenzen bringt. Übrigens spielt Kristin Scott Thomas nach The Horse Whisperer erneut Johanssons Mutter.

Obwohl der Film auf historischen Fakten beruht, erlaubt er sich doch so manche Schwächen. Mary wehrt sich, als sie von dem Plan ihres Onkels erfährt, als Maitresse trotz Heirat den König zu dienen, immens. Ihr Sinneswandel, doch nicht mehr fernab des Hofes mit Mann und Kind leben zu wollen, tritt zu abrupt und unverständlich in die Handlung ein. Das ständige hin und her mit Anna, die mal zornig ins Exil geschickt, dann flehend zurückgeholt, von der Familie angegriffen, dann wieder aufgenommen wird – auch das wirkt in der raschen Abfolge etwas aufgesetzt. Henry VIII. hat sich plötzlich von Anne zu Mary und dann wieder für Anne entschieden und liebt die eine mal mehr, mal weniger. Um dieses ständige Wechselbad der Gefühle adäquat an den Zuschauer zu bringen, benötigt man einiges an mehr Laufzeit.

Die Schauspieler entschädigen für diese und weitere kleinere Mankos. Ich bezweifle, dass der Film sich exakt an die historischen Fakten hält, doch steckt wohl auch viel Wahres in den knapp zwei Stunden. Eine angenehme Geschichtsstunde für Fans von Scarlett Johansson und Natalie Portman – ins DVD Regal muss der Film jedoch nicht unbedingt.

Dieser Artikel wurde von Dos Corazones geschrieben und am 26. Mai 2010 um 13:41 veröffentlicht. Er ist unter Drama, Film, Gesehen, Historie abgelegt und mit , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Artikel.

2 Gedanken zu “The Other Boleyn Girl (2008)

  1. Ich hab nur die letzte halbe Stunde gesehen. Scarlett Johansson hat mir überhaupt nicht gefallen. Vielleicht liegt das an der Rolle, aber selbst als Mary hätte sie mehr als einen Gesichtsausdruck bringen können.

  2. Obwohl das Thema ziemlich interessant ist, spüre ich nicht die geringste Lust, mir den Film anzusehen. Irgendwie gehen mir die ganzen Historiensachen in letzter Zeit total auf die Nerven. Und dann ist Henry VIII. nicht mal authentisch, als träger Klops, besetzt – tststs… :)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

%d Bloggern gefällt das: