Who is Woo?
Selbst wenn man (wie ich) zuvor noch keinen Film vom Hong-Kong Export John Woo gesehen hat, weiß man bereits nach wenigen Minuten: Das ist von Woo! In Fernost ist er ein Star, bekannt für harte Action, viele Schießereien und weiße Tauben. Schon lange bevor Matrix die Zeitlupe für einen stilistischen Overkill fand, bediente sich Woo dieser Technik, in der die Action auf ein Maximum getrimmt wird: Brutal, hart, echt.
Terrorist Castor Troy (Nicolas Cage) hat gerade eine Atombombe in Los Angeles scharf gemacht und sitzt in seinem Privatjet zusammen mit seinem kleinen Bruder und will schon in Gedanken Hawaii genießen, da kommt ihm Sean Archer (John Travolta), Leiter eine Antiterroreinheit, in die Quere. In einem Hangar schließlich können die Troy-Geschwister gefasst werden und Sean wird als Held gefeiert. Lorbeeren, die er ablehnt. Er hat Castor Troy all die Jahre verfolgt, um sich am Tod seines Sohnes zu rächen, den Troy auf den Gewissen hat. Sean verspricht seiner Frau Eve (Joan Allen), nun kürzer zu treten, bis eine Diskette mit dem Plan der Bombe im Dezernat auftaucht. Diese bestätigt Seans schlimmste Vorahnung, dass Troy einen Anschlag durchgeführt hat. Doch sein Bruder hüllt sich wie alle weiteren Verdächtigen in Schweigen und Castor ist tot. Sean soll mittels ein neuen Technologie in den Körper seines Erzfeindes schlüpfen, um den Aufenthaltspunkt der Bombe aus dessen Bruder heraus zu quetschen – eine streng geheime Operation. Doch dann wacht der wahre Castor Troy aus dem Koma auf, schlüpft seinerseits in Seans Haut und tötet alle Beteiligten des Einsatzes. In der Haut des jeweils anderen entbrennt ein erbitterter Kampf um ihre wahre Identität.
Die beiden Hauptdarsteller klingen bereits vielversprechend, obwohl beide keine feste Bank für geniale Filme sind. Eins steht aber außer Frage, in der richtigen Rolle, können Travolta und Cage jeden an die Wand spielen. Die Idee, mittels plastischer Chirurgie die Gesichter zweier Menschen zu tauschen, bringt einiges an Unordnung. Auf einmal spielt Cage die Figur des Sean und Travolta mimt den Terroristen. Letzterem steht die Rolle als Bad-Ass ohnehin viel besser als die des liebevollen Familienmannes, der Sean (noch) nicht ist.
Cage schneidet unheimliche Grimassen, lacht aus tiefster Bitterkeit, zeigt verworrene Emotionen und schießt in bester Manier um sich. Außerdem wurden seiner Figur zwei unverwechselbare Pistolen verabreicht. Diese Verbindung schreit förmlich nach einem Kultstatus. Zweifellos bietet er in Face/Off eine seiner besten Performances und stellt Travolta mal eben in den Schatten, bei etwa gleicher Screentime.
Ansonsten bringt der Film nicht viel Neues, das Bekannte wird aber sauber verknüpft und durch den Rollenwechsel wirkt das Szenario auch frisch. Sean ist der typisch gebrochene Agent, der seinen Sohn verloren hat und auf dem besten Wege ist, seine Familie ebenfalls zu verlieren. Sein Rachefeldzug wird exzellent begründet, indem das misslungene Attentat, dem letztlich Seans Sohn zum Opfer fiel, gleich zu Beginn des Films gezeigt wird. Die Sympathie fällt also deutlich auf Seans Seite. Lange Zeit scheint Castor Troy ein aalglatter Bösewicht zu sein, ohne Skrupel und ohne Gefühle. Eine Szene lässt ihn schließlich auch menschlich wirken, obwohl kräftig mit Schwarz und Weiß gemalt wird.
Die ausgeklügelte Story, auch wenn die Lasertechnik der plastischen Chirurgie neben Diskettenlaufwerken im Büro unglaubwürdig erscheint, gepaart mit einer coolen Optik in den Actionszenen (Woo darf seine Zeitlupen einsetzen wie er will und treibt es an keiner Stelle zu weit) machen einen wirklich guten Actionfilm, dem ich etwas mehr Tiefgang gewünscht hätte. Die Frage, wer man wirklich ist, hätte deutlicher angesprochen und nicht in zwei Szenen mit Sean in Troys Haut abgehakt werden sollen.

Ui, ich find den Film großartig. Einer der Filme, in denen Nic Cage noch richtig sehenswert war. Aber auch John Travolta ist hier noch in Bestform.
Ein sehr, sehr kultiger Streifen
Hab den als Kind gesehen und kann mich überhaupt nicht mehr dran erinnern, wie ich den fand. Von der Story her würde ich sagen, Bullshit, aber die Filmblogger scheinen den ja geschlossen zu mögen …
Ja, wir mögen den? Es kann ja auch Bullshit sein, der unterhält. Was bei dem Film auf jeden Fall der Fall ist
Hab den auch so in Erinnerung wie Du schreibst, vielleicht würde ich mir das mit einer zweiten Sichtung aber auch kaputt machen.
P.S.: Endlich ist der ätzende Hintergrund weg, obwohl ich als alter Nörgler schon wieder etwas auszusetzen hätte…liegt es nur an mir oder wird euch auch bei längerem Lesen von weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund (z.B. Das Manifest) ganz schwindelig im Kopf?
@donpzuelo: Sehe ich genauso
Mir gefällt der schwarze Hintergrund noch und finde es (mit Safari) auch recht angenehm.
@Dr. Borstel: Ist es tatsächlich, aber in sich ist der Film stimmig – und deswegen nehme ich ihm das nicht übel.
@candide: Ach, ich könnte mir den Film in ein paar Jahren nochmal reinziehen, obwohl er dann wahrscheinlich nicht mehr so fesselt. Tja, jetzt ist ein neuer Hintergrund da
Absoluter Kultfilm, könnte ich mir immer wieder ansehen. Gibt es nichts dran zu meckern.
Bzgl. Hintergrund: Ist echt bessers so. Als ich das mal bei mir zur Sprache gebracht hab, war es mehr Leuten egal oder sie fanden es so gut als das sie es anders haben wollten. Also: Weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund ist gut. Auch wenn jeder Augenarzt was anderes sagen würde…
Wenn man sich auf den Film einlässt, findet man wirklich keinen Kritikpunkt oder einen Makel, der das Konzept über den Haufen wirft.
Danke für die Zustimmung