Das Glas ist halb leer
Scoop verwirrt mich. Nicht wegen der Handlung, die Story ist wenig originell und nicht schwer zu verstehen. Es könnte natürlich auch an der IMDB liegen. Nun, Woody Allens Film aus dem Jahre 2006 als Komödie einzuordnen, will mir nicht in den Kopf. Ich dachte, Komödien beinhalten Witze oder sind auf andere Weise lustig. Wer das erwartet, wird herbe enttäuscht und ohne viele Allen-Filme zu kennen, wage ich zu behaupten, werden die anderen ebenfalls kaum erfreuter sein.
Nachdem die Journalismusstudentin Sondra Pranskys (Scarlett Johansson) Interview mit einem Filmregisseur geplatzt ist (sie landet mit ihrem Gesprächspartner im Bett), steht die junge Amerikanerin etwas blöd da. Hat sie doch ihren Komilitonen eben dieses Interview pompös versprochen. Zufälligerweise besucht sie eines Abends die Zaubershow des Magiers Splendini (Woody Allen), wo sie im “Dematerialisierer” auf den Geist des verstorbenen Star-Redakteurs Joe Strombel (Ian McShane) trifft. Der erzählt ihr von seinem letzten Knüller (=Scoop). Der Nachkomme eines englischen Lords Peter Lyman (Hugh Jackman) soll der gesuchte Tarot-Killer sein. Verwirrt und verstört recherchiert Sondra vorsichtshalber einmal und ist schließlich überzeugt, dass an dem Verdacht eine gewaltige Story hängt. Nach erneutem Erscheinen des Geistes lässt sich auch Splendini auf die Detektivarbeit ein. Um an Lyman heranzukommen, denkt sich Sondra eine neue Identität aus, verliebt sich unglücklicherweise aber in Peter, obwohl der Tarotkiller weiter mordet.
Die Handlung verläuft ohne Überraschungen, ist aber logisch aufgebaut und lässt immerhin ansatzweise Spannung aufblitzen. Ja sogar ein Twist wird eingebaut, der aber, falls er überraschen soll, schlecht vorbereitet wird. Der Ansatz, dass Stormbel aus dem Reich der Toten erscheint, ist gelungen (nicht unbedingt vielvesprechend). Allerdings wird sein Erscheinen recht schnell von Sondra hingenommen, Splendini stottert hingegen fassungslos vor sich hin.
Nun gut, dass macht Woody Allen über die gesamte Laufzeit nicht anders. Sein Schauspiel wirkt äußerst gezwungen, steif und aufgesetzt. Wenn es gewollt ist, macht dieser Allen-Charakter keine Freude, wenn nicht, beweist er kein Talent mehr im Alter. Die Hoffnung, dass Scarlett Johansson jemals wieder an ihre tolle Leistungen in Lost in Translation und Love Song for Bobby Long anknüpfen wird, muss man vielleicht begraben, zumindest überdenken. Gerade im Vergleich zu den Filmen spielt sie deutlich unter ihren Fähigkeiten. Allens “Overacting” trifft ihr “Underacting”. Hugh Jackman, der in Aronofskys The Fountain beweist, dass er anspruchsvolle Rollen beherrscht, hat hier leider eine Rolle ohne Anspruch und er ergibt sich seinem Schicksal.
Schauspielerisch versagt der Film (gerade bei solchen Namen), storytechnisch wäre deutlich mehr drin gewesen, obwohl mir das Ende für Splendini sehr gut gefällt (mit etwas Obacht, kann man dieses schon früh voraussehen). Verlassen will ich euch mit dem einzig (meiner Meiung nach) wirklich perfekten Dialog aus Scoop:
Sondra Pransky: You are a cynical crapehanger who always see the glass half-empty!
Sid Waterman: No, you’re wrong. I see the glass half full, but of poison.
Klingt ja nicht so super. Nachdem mir “Matchpoint”, auch mit Scarlett und einem herrlich lässigen Jonathan Rhys Meyers, mir richtig gut gefallen hat, wollte ich mir diesen eigentlich auch anschauen. Dein Beitrag weckt allerdings wieder Zweifel.
… die ich sofort wieder ausräumen möchte. “Scoop” ist, da stimme ich zu, nicht so gut wie z.B. “Matchpoint”. Nichts desto trotz ist der Film imho nicht so schlecht, wie ihn der Kollege hier macht.
@C.H.: Filme Bewerten ist ja immer subjektiv. An “Scoop” hat mir leider nicht viel gefallen, die Schauspieler können alle besser, Allen kann bessere Scripts schreiben und ich halte es für fast unmöglich den Film in irgendein Genre zu drängen (was auch etwas gutes sein kann).
@Dr. Borstel: Also, man darf sich den Film immer gerne anschauen, ich würde aber nicht mit allzu hohen Erwartungen herangehen.