Die Steine fallen
Herzlich willkommen zum großen Domino-Day! Wie viele Steine werden wohl fallen, welche bleiben stehen. Oh, tut mir leid, da habe ich doch glatt an die Steine gedacht, dabei soll es hier doch zu Tony Scotts Action-Drama mit Keira Knightley gehen. Das lockt mit dem Motto “Live Fast, Die Young“.
Domino Harvey (Keira Knightley) kommt aus gutem Haus, langweilt sich aber sowohl als Model, als auch auf der Highschool und dem College in Beverly Hills. Mit 14 beginnt sie zu trainieren mit Messer, Nunchucks und Schusswaffen. Sie nimmt an einem Kopfgeldjägerseminar von Ed Mosbey (Mickey Rourke) und seinem Partner Choco (Edgar Ramirez) teil und wird von dem Duo ins Team aufgenommen. Auf das Team wird ein Realityshowproduzent (Christopher Walken) aufmerksam, der ihre Arbeit filmen möchte. Während des Drehs geraten die Kopfgeldjäger in einen folgenreichen Auftrag, der nur so von Gefahr strotzt, die Harvey erleben möchte…
Das Leben der Domino Harvey ist unter dem Untertitel sicherlich gut geschrieben, alt wurde die Tochter des britischen Schauspielers Laurence Harvey tatsächlich nicht. Mit 36 Jahren starb sie an einer Überdosis. Von dieser Seite lernen wir Domino im Film aber gar nicht kennen. Keira Knightley hält zwar in nahezu jeder Einstellung eine Zigarette in der Hand und trinkt ab und zu einen Schluck Alkohol – Drogenkonsum kann man hier also nicht aus der “fast wahren” Geschichte herauslesen. Von der realen Person ist im Grunde nur das Elternhaus und die Karriere als Kopfgeldjägerin übrig geblieben, so dass der Filmtitel am Ende nicht einmal wirklich passt.
Tony Scott verhunzt die langatmige Handlung ohnehin noch mit einem Überfluss an schnellen Schnitten, vollkommen sinnlosen Slowmotion-Sequenzen, einem bescheuerten Hall der Stimme und übertriebenen Farbfiltern. Unterlegt werden diese Szenen zumeist mit Rock bis Metal Tönen, die vielleicht cool wirken sollen, aber schon nach kurzer Zeit nur nerven. Der kleine Bruder von Ridley Scott (Gladiator, Robin Hood) zeigt nicht gerade, dass er vom großen viel gelernt hat.
Die Handlung ist zwar recht zäh, aber eines muss man den Drehbuchautoren lassen: Die Mission, um die es sich eigentlich dreht, ist sehr verschachtelt und wird gut aufgelöst. Dabei wird die Geschichte in Rückblenden erzählt. Domino sitzt nämlich im Verhör mit einer FBI-Agentin (Lucy Liu) und erzählt ihre Version. Am Ende verrät sie uns noch, dass es so wahrscheinlich nicht passiert ist – die Wahrheit wird sie aber niemals verraten. Na toll, damit wird die Story sowieso schonmal überflüssig. Hätte uns das Keira Knightley aus dem Off nicht schon vorher sagen können?
Wenn schon der Stil nicht stimmt, die Handlung eher dahinplätschert denn fließt, dann sollten wenigstens die Figuren sympathisch sein. Aber nein, weit gefehlt. Domino flucht die ganze Zeit, macht auf toughe Lady und nervt mit ihrem Gehabe gewaltig, da kann auch Keira Knightley nicht ihren Charme spielen lassen. Micky Rourkes Rolle sammelt nur durch die Ähnlichkeit des Namens zu Ted Mosby (How I Met Your Mother, gespielt von Josh Radnor) Pluspunkte und sein Partner Choco ist hin und wieder zwar cool, aber auch er bleibt dem Zuschauer weitgehend egal. Des Weiteren darf Mo’Nique (die ich auch nicht leiden kann) als jüngste Großmutter Amerikas noch blöde Sprüche von sich geben und einen leicht dramatischen Teil zum Plot hinzufügen, aber auch ihr Schicksal und das ihrer Enkelin interessiert niemanden. Die Emotionale Bindung zu irgendeinem Charakter schlägt fehl, obwohl sich Scott in einigen Szenen wirklich anstrengt, genau diese Bindung aufzubauen.
Domino – Live Fast, Die Young ist ein Actionfilm, der zu wenig Action hat, keine Spannung aufzubauen vermag und weder kultverdächtige Charaktere, noch eine innovative Storyline zu bieten hat. Am Besten lässt man den Film links liegen. Denn darum geht es ja bei Dominosteinen – sie sollen hinfallen.
2 von 10 (einfach verhunzt und das in Gendenken an eine Tote, peinlich…)
Wenn man nur die Besetzung ließt könnte man leicht in Versuchung geraten, nach deinem Review allerdings werde ich den vorerst wieder streichen
Es scheint ja auch Leute zu geben, den der Stil anspricht. Mir gingen die vielen Cuts aber auf Dauer sehr auf die Nerven. Bei dem Cast hatte ich übrigens ebenfalls mehr erwartet.
Hatte deine Bewertung gestern schon bei Moviepilot gesehen, nachdem ich mir den Film vorgestern auch angeschaut hatte und beinahe zum gegenteiligen Ergebnis komme. Schon cool, wie Knightley da auf taffe Braut macht, und Mickey Rourke ist sowieso eine geile Sau. Der Plot ist ein bisschen zu tarantinoesk überspitzt, aber auch wenn mir Tony Scotts Regiestil für gewöhnlich auf die Nerven geht (die glorreiche Ausnahme: “True Romance”), kann er sich hier austoben und das Resultat gefällt mir immer noch. Sehr kurzweilige Hirn-Aus-Action, die vielleicht schlechter bei mir wegkommen würde, wenn ich sie nicht direkt nach dem grandiosen “Crank 2″ und demnach im Blutrausch-Modus gesehen hätte. Dennoch komme ich nicht mal ansatzweise auf eine 2 / 10, denn außer Lucy Liu nervt hier wirklich gar nichts. Vorläufig 8 / 10, ein Review traue ich mir hier aber erst zu, wenn ich den Film ein zweites Mal gesehen habe.
Ich habe deine auch gestern gesehen und es hat mich zum Schmunzeln gebracht. Mich nervt eben der Stil, die Figuren und nur die Geschichte sammelt bei mir Punkte. Mo’Niques Rolle, die ja im Grunde Auslöser für den Plot ist, hat mich nur aufgeregt und da das Schicksal ihrer Familie mich so kalt lässt, weil Scott es in keiner Sekunde schafft, emotionale Bindungen auzubauen. Das ist in Actionfilmen nicht unbedingt notwendig, hier meiner Meinung nach schon. Das hat mich nunmal zu der sehr schwachen Wertung gebracht, auch deshalb weil ich mir viel mehr versprochen hatte und mich der Film (übrigens nach der zweiten Sichtung) sehr sehr enttäuscht hat.
Interessant und im Grunde sogar nachvollziehbar. Was du sagst, stimmt schon, gerade in Bezug auf Mo’Nique, die ich auch nicht leiden kann. Hat mich allerdings überhaupt nicht gestört, ebenso wenig wie der Stil, was Jenny bei The Gaffer übrigens ziemlich gut zusammenfasst.
War interessant zu lesen und berücksichtigt ja auch meinen Standpunkt, dass man vom stilistischen Overkill genervt abschalten möchte, wegen den “Charakteren” am liebsten ganz was anderes machen möchte. Ich habe durchgehalten und wurde nicht belohnt, wie sie schreibt. Aber wenn dir das nach dem Film anders ging, freut mich das für dich – meins ist Tony Scotts Film aber nicht.
Also ich muss auch sagen, dass ich “Domino” eigentlich auch ziemlich cool fand. Dafür, dass ich eigentlich kein Keira Knightley-Fan bin, ist der Film meiner Meinung nach sehr gelungen.
Ich kann mich eigentlich nur wiederholen. Mir hat Tony Scotts Stil nicht gefallen, die Schauspieler haben mich nicht überzeugt.
Aber wenn gerade der Stil gefällt, wird der Film ganz sicher anders bewertet, meinen Geschmack jedenfalls hat “Domino” nicht getroffen (dabei mag ich Keira Knightley schon…)