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Runaway Jury (2003)


“Gentlemen, trials are too important to be left up to juries.”

John Grisham ist selbst Anwalt, da liegt es nahe, dass, wenn er schon selbst Bücher schreibt, über sein Metier berichtet. Nun ja, “berichten” ist hier sicher das falsche Wort. Denn in seinen Thrillern (Die Firma, Der Klient) will er als erstes unterhalten – wie viel Wahres hinter den Geschichten steckt, sei mal dahin gestellt. Wie es nunmal in Hollywood üblich ist, werden Bestseller mit Vorliebe verfilmt – ohne das Buch gelesen zu haben, kann ich viele Kritiken verstehen: Das ist eine ziemlich guter Film (und wohl eine gute Adaption der Vorlage).

Nicholas Easter (John Cusack) wird als Geschworener in den Gerichtssaal gerufen, was bei ihm zu verhaltener Freude hilft. Trotz (oder gerade wegen) seiner plumpen Ausreden, wird er ernannt und wird so Teil eines der größten Prozesse Amerikas. Die Kläger fordern von einer großen Waffenfirma Gerechtigkeit, da mit einer ihrer halbautomatischen Waffen bei einem Amoklauf 11 Menschen getötet wurden. Die Witwe eines Opfers klagt und hat sich mit Wendell Rohr (Dustin Hoffman) einen von wenigen ethisch korrekten Anwälte beschafft. Doch die Verteidigung arbeitet mit illegalen Mitteln und hat sich den Profiler Fitch (Gene Hackman) an die Seite gestellt, der die Geschworenen analysiert und für die eigenen Interessen in die gewünschten Bahnen lenkt. Doch neben Fitch buhlen auch Nick und seine Freundin Maggie (Rachel Weisz) um die Gunsten der Streitenden und Juroren. Um selbst Profit aus dem Verfahren zu ziehen, erpressen sie die Anwälte und lenken so in Person von Nick die Geschworenen in die Laune des Höchstbietenden…

An den Namen der Verpackung merkt man schon, hier wurden keine Kosten und Mühen gescheut – der Cast ist schlichtweg fantastisch. Nur sprechen große Namen nicht immer für einen guten Film, in diesem Fall tun sie dem gelungenen Erscheinungsbild des Films aber ganz und gar nichts Schlechtes. Von Hoffman und Hackman, beide zweifache Oscarpreisträger, darf man hervorragende Leistungen voraussetzen und die erfolgen auch postwendend. Das Aufeinandertreffen der beiden ist ein sagenhafter Auftritt, der einem Cineasten schon ins Mark geht – ganz großes Kino. Aber auch John Cusack und Rachel Weisz wissen zu überzeugen und zeigen, warum ihre Namen zurecht neben denen der alten Garde prangern.

Ein wenig Problematisch ist jedoch, dass schwarze und weiße Farbeimer geleert werden mussten. Fitch ist ein gewissenloser Geldhai, der mit seinem High-End-Equipment weder vor Überwachung im Prozess noch Erpressung zurückschreckt – ganz zu schweigen von gewalttätigen Übergriffen. Wie die gesamte Waffenindustrieriege sitzen auf der Seite der “Bösen” durch und durch Böse. Das mag zur Vereinfachung der Sachverhalte dienlich sein – wirklich zeitgemäß sind solche Figuren allerdings nicht. Auf der anderen Seite ist Hoffmans Rohr (oh, bitte nicht falsch verstehen) nahezu ein Ritter in glänzender Rüstung. Er glaubt an das Gute in der Welt und ist selbst ein Verfechter der moralisch guten Handlungen – immerhin wird auch er von Zeit zu Zeit auf die Probe gestellt und zeigt eine kleine Schattenseite. Diese haben Cusacks und Weisz’ Figuren ebenfalls – und das ist wichtig. Denn mit den Helden müssen wir mitfühlen können und uns identifizieren können. Das klappt, denn natürlich handeln die beiden nicht nur wegen des Geldes so. Der Grund wird allerdings lange verschleiert und in einem sehr gut präsentierten Twist erläutert.

Runaway Jury bietet Spannung (es ist ja auch ein Thriller), dank Cusack einigen Witze, sogar Action (Respekt für Rachel Weisz), grandiose Schauspieler und eine kluge Handlung. Kurz gesagt, der Film langweilt zu keinem Zeitpunkt und macht Spaß. Hier wird der amerikansiche Patriotismus auch mal auf die Schippe genommen und ja sogar die Verfassung angegriffen! Naja, das sind keine echten Tabus, aber willkommen im Kontext der Justiz-Thriller. Genauso wie der Film in jedem DVD-Regal herzlich willkommen sein sollte.

9 von 10 (top Schauspieler, top Handlung und top Inszenierung – in der Summe top)

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Dieser Artikel wurde von Dos Corazones geschrieben und am 16. November 2010 um 00:12 veröffentlicht. Er ist unter Film, Gesehen, Thriller abgelegt und mit , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Artikel.

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