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Brick (2005)


Teen-Noir

Eine Detektivgeschichte in der High School. Ein gebrochener Held, ein Anruf seiner verflossenen Liebe, ein Todesfall, Drogengeschäfte und viele obskure Gestalten. Das hört sich ein bisschen nach der TV-Serie Veronica Mars mit Kristen Bell an, ist aber Rian Johnsons Spielfilmdebüt, für das er den damals noch recht unbekannten, Jetzt-Shootingstar Joseph Gordon-Levitt gewinnen konnte – ein wahrer Glücksgriff. Auch in der Grundstimmung unterscheidet sich Brick von der oben genannten Serie, die mit einer opulenten Welt einen starken Kontrast zur Protagonistin auswartet, im Film ist die Umgebung so trist und dreckig, wie der Protagonist selbst.

Die Leiche seiner Ex-Freundin Emily (Emilie de Ravin), wird für den Außenseiter Brendan (Joseph Gordon-Levitt) zur Initialzündung einer heiklen Untersuchung und Fahndung der Verantwortlichen auf eigene Faust. Zur Seite steht ihm “The Brain” (Matt O’Leary), dem er Zauberwürfel und Rätsel zur Lösung zuspielt. Kurz vor ihrem Tod hat sich Emily verängstigt bei Brendan gemeldet, die Worte “brick” oder “bad brick”, “tug” und “pin” stellen ihn vor ein unlösbares Rätsel. Während “The Brain” im Hintergrund arbeitet, lässt Brendan die Fäuste sprechen und zieht so die Aufmerksamkeit des legendären Drogenbosses The Pin (Lukas Haas) auf sich, der, so scheint es, seine Finger bei Emilys Tod im Spiel hatte. Und welche Rolle spielt die so verführerische, wie undurchschaubare Laura (Nora Zehetner) in dem Fall?

Die Verantwortlichen des Films sprechen davon, ein sehr authentisches Bild des Highschool-Lebens darzustellen. Cliquen, Außenseiter und Partys, diese Elemente zeigen, wie man sich das amerikanische Schulleben vorstellt. Doch damit ist auch schon Schluss mit dem Schulwesen. Unterricht, Eltern spielen keine Rolle, der Rektor der Schule droht Brendan zwar mit Suspendierungen, ist aber sogar von dem Schüler abhängig. Das wirkt nicht gerade sehr realistisch, innerhalb der dargestellten Welt ergänzen sich die einzelnen Elemente aber sehr logisch. Trotz eines wahnsinnig geringen Budgets schafft es Regisseur Johnson nämlich, eine sehr stimmungsvolle Welt zu erschaffen, die man ihm abnimmt. Gedreht wurde der Film übrigens in seiner ehemaligen Schulstadt und Highschool – teils auch mit derzeitigen Schülern.

Im Mittelpunkt steht Brendan, der mit Gordon-Levitt (mit Brille) ausgeziechnet besetzt wurde. Lange vor Inception und (500) Days of Summer zeigt er sein riesiges Talent und Potential und mal eine ganz andere Seite. In 10 Things I Hate About You, spielte er einen klassischen Loser (der am Ende dennoch das Mädchen kriegt), hier ist er ein harter Brocken, der niemanden an sich ranlässt, ein Misanthrop er nur Emily liebt und sie trotz seines Versprechens nicht loslassen kann. In einigen Schlägereien zeigt er Brendans unbändigen Willen und seine harte Schale, in einsamen Momenten entblößt er mit seiner Mimik und Gestik, was Worte nicht ausdrücken könnten und in Brick auch nicht tun – dass er tief in seinem Innern leidet.

Vereinzelt, gerade im Finale geht der Film richtig zur Sache, die ganz große Brutalität sieht man aber nicht. Ein tödlicher Schuss wird mit Silhouetten noch intensiver, man hört Schüsse und dumpfe Schläge um sich herum. Der Kopf erzeugt die Bilder, die mangels Geld nicht im Film auftauchen. Diese Atmosphäre ist schon beeindruckend. Jedoch, wer angesichts der langen Einstellungen, den behäbigen Kamerabewegungen und der generell ruhigen Präsentation zum Gähnen verführt wird, wird Brick wenig abgewinnen können. Selbst die Musik verstärkt diese Behäbigkeit, entstand aus finanziellen Gründen zu großen Teilen mit Haushaltsgegenständen wie Töpfen und Gläsern – das klingt sirklich sehr interessant und ungewohnt, wird dem breiten Publikum wohl weniger zusagen.

Brick versteht sich als Hommage an die alten Film-Noirs. Gibt dem Genre aber durch sein ungewöhnliches Setting einen neuen Anstrich und hebt sich aus der Masse von Independentproduktion merklich hervor. Neben Gordon-Levitt machen Emilie de Ravin und Nora Zehetener in deutlich weniger Screentime ebenfalls grandiose Arbeit. Empathie kommt nicht nur für den Protagonisten auf, selbst die Nebenfiguren bekommen einen markanten Charakter auf den Leib geschrieben. Wer sich an einem langsamen Erzähltempo in Filmen erfreuen kann, wird Brick sicher mögen. Geschichte, Charaktere und die Atmosphäre sind über jeden Zweifel erhaben.

8 von 10 (behäbig erzählt, aber in tollen Bildern und einer wahnsinnig dichten Atmosphäre PLUS Joseph Gordon-Levitt)

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Dieser Artikel wurde von Dos Corazones geschrieben und am 11. Dezember 2010 um 16:28 veröffentlicht. Er ist unter Drama, Film, Gesehen abgelegt und mit , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Artikel.

8 Gedanken zu “Brick (2005)

  1. Ich fand den Film sogar noch einen Tick stärker. Grandiose Atmosphäre!

  2. Noch nicht gesehen, klingt aber ganz danach als ob man hier mal einen Blick riskieren sollte. Interessant.

  3. Uh, der kommt auf meine To-Do-Liste ;)

  4. Pingback: Brick (Film)

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