Sticht den richtigen Nerv
Hornissen sind nach dem Volksmund gefährliche Biester. So sollen bereits drei Stiche das Lebensende eines ausgewachsenen Mannes beenden. Wissenschaftlich ist das völliger Unsinn, sofern man nicht gegen das Hornissengift allergisch ist natürlich. Tatsächlich sind Hornissen kaum “gefährlicher” als Bienen oder Wespen. Über Stiche wird sogar weniger Gift frei als bei den anderen Viechern, tun aber richtig weh. So ähnlich ist das auch mit The Green Hornet, der grünen Hornisse. Wissenschaftlich vollkommener Humbug und an sich auch nicht lebensbedrohlich. Dafür sitzen die Stiche tief!
Weniger tiefgehend ist allerdings die Geschichte: Britt (Seth Rogen) erbt nach dem Tod seines Vaters das Familienimperium – The Daily Sentinel – eine Zeitung. Da sein Vater ein ziemlich unangenehmer Zeitgenosse war und keine Möglichkeit ausließ, seinen Sohn zur Schnecke zu machen, geht Britt recht lustlos seinen neuen Pflichten und der Verantwortung nach. Für Abwechslung sorgt der ehemalige Mechaniker seines Vaters Kato (Jay Chou), mit dem er als Green Hornet verkleidet nachts loszieht und Verbrecher verprügelt. Mit seiner Zeitung sorgt er für die nötige Publicity und plant, als Green Hornet die Macht in L.A. zu übernehmen. Da weder er noch Kato Ahnung vom Kriminalwesen haben, wird kurzerhand die schöne Lenore (Cameron Diaz) eingestellt, die das Verhaltensmuster des neuen Verbrecherkönig recherchiert und ihrem Arbeitgeber ungewollt die nächsten Schritte verrät. Der Gangsterboss Chudnofsky (Christoph Waltz) sieht das Ungern und will die neue Bedrohung aus dem Verkehr ziehen.
The Green Hornet ist ein Superhelden-Film, der in der noch recht neuen Tradition der Spiderman-Trilogie von Sam Raimi nahtlos aufgeführt werden kann. Schon der Wikipedia-Artikel über die Vorlage verrät, wie bekannt die grüne Hornisse bei uns ist. Genau, man kennt die Geschichte hier überhaupt nicht. Auch in den Vereinigten Staaten gehört die Reihe sicherlich nicht zu den Aushängeschildern seiner Zunft, so langsam gehen Hollywood schließlich auch die Vorlagen aus. Dem kann man jedoch durch einen illustren Cast, der noch mit Tom Wilkinson und James Franco in einem Kurzauftritt ergänzt wird, und dem Attribut 3D entgegenwirken – erfolgreich, in Deutschland spielte der Film umgerechnet immerhin 10 Millionen Dollar ein.
Der Handlungsaufbau ist mittlerweile recht altbacken, wenn auch weiterhin unterhaltsam. Ein normaler Typ entdeckt die Lust an einem Alter Ego, schnappt sich ein Cape und verprügelt böse Buben. Britt Reid hat allerdings anders als beispielsweise Spiderman keine Superkräfte, sondern bloß einen Super-Sidekick, Kato. Der baut nicht nur den fahrbaren Untersatz “Black Beauty”, sondern begeistert mit seinen Martial-Arts-Künsten. Seth Rogen mag als Actionheld aufgrund seinen Images furchtbar deplatziert wirken, aber er spielt ja hier auch keinen Actionhelden. Er sorgt eher für den Humor, er schriebt auch das Drehbuch, und spielt einen arroganten Sack, der sich auch an Cameron Diaz ranmacht – das Objekt der Begierde bleibt in diesem Streifen aber unverführt. Trotzdem darf auch Rogen kräftig zulangen und überzeugt auch mit seinem immer noch recht pummeligen Äußeren.
Christoph Waltz – und das ist wenig überraschend – hat nach dem erfolgreichen und grandiosen Auftritt in Tarantinos Inglorious Basterds deutlich an Qualität eingebüßt. Wie oftmals im Film die mangelnde Furcht einflößende Wirkung seines Charakters moniert wird, so ist sein blasses Schauspiel doch noch das am ehesten Angst einjagende. Das mag aber auch daran liegen, dass er kaum Szenen hat und wenn, dann drehen sie sich immer um das gleiche: Er meint, er sei im Anzug genauso Angst einflößend wie Green Hornet. Nun gut.
Bei 120 Millionen Budget wundert man sich glücklicherweise nicht, wo das Geld geblieben ist, auch ohne 3D ist der Film ein audiovisueller Genuss, der allerdings nicht unbedingt einen großen Kinosaal braucht. Die Effekte sind wirklich gut gemacht, wobei wohl auch einige handgemachte Actionszenen ihren Platz im Film gefunden haben dürften. Die Action, meist doch auch Verfolgungsjagden und Matial Arts von Jay Chou beschränkt, machen einfach Laune und bieten Popcorn-Kino, wie man es sich wünscht. Cameron Diaz nimmt man zwar zu keiner Sekunde ab, dass sie eine Absolventin in Kriminalistik und Journalistik sein soll, dafür ist James Francos Auftritt wunderbar. Da hat er seinem Freund Seth Rogen wohl einen Gefallen getan und ist übrigens ohne in den Credits aufzutauchen ebenfalls eingesprungen.
Für Fans von Actionkomödien ohne Tiefgang ist The Green Hornet genau das Richtige. Ein bisschen mehr Tiefe hätte es aber ruhig sein können, wenn man bedenkt, dass es hier auch um die Freiheit und Verantwortung der Presse geht, diese Themen aber nur so stereotypisch angesprochen werden, dass es schon fast lächerlich wirkt, dass man hier überhaupt mit der Moralkeule aufkreuzt. Schauspielerisch ist der Film bei den Namen etwas enttäuschend, Spaß macht der Film aber über die gesamte Laufzeit.
6 von 10 (lockerleicht und seicht. Sticht genau in den Nerv für Action-Komödien-Film-Abende, davon gibt es immer genug!)

Green Hornet lebt halt hauptsächlich von der Action, die dann aber auch toll rüberkommt obwohl natrülich völlig unrealistisch, wie ein Auto aus einem Loch freisprengen oder mit einer Lenkrakete einen Blitzer in die Luft jagen. aber für zwischendurch ganz nett
Jo, volle Zustimmung. Aber der Humor, für ein Skript von Seth Rogen sicherlich unerwartet arm gesät, hat meinen Geschmack zusätzlich getroffen. Dafür, dass ich mit dem Helden nichts anfangen konnte, hatte ich doch eine Menge Spaß.