Wie (fast) alles begann
Nachdem Tsotsi-Regisseur mit X-Men Origines Wolverine ein eher mäßiges Prequel zur Marvel-Superhelden-Trilogie der frühen 2000er Dekade verfilmt hatte, das allerdings mit einer Fortsetzung bereichert wird, versuchte sich nun auch Kick-Ass-Regisseur Matthew Vaughn an der Mutantenserie. Die Skepsis bei mir war trotz Vaughns letztem Film groß, da schon der dritte Teil storytechnisch dramatisch abfiel und die Effekte schon recht altbacken wirkten. Ein neuer Start also, der mich zu überraschen vermochte.
1944, der junge Erik Lehnsherr (später Michael Fassbender), lebt im Warschauer Ghetto und wird von seinen Eltern getrennt. Durch seine Wut und Verzweiflung schafft er es ein massives Eisentor zu verbiegen und kann nur mit Mühe von einem Trupp deutscher Soldaten zurückgehalten werden. Der Wissenschaftler Sebastian Shawn (Kevin Bacon) erkennt, in den Genen des Jungen besteht ein enormes Potential, das dem Dritten Reich noch nützlich werden könnte. Doch Erik kann seine Kräfte noch nicht kontrollieren und muss zusehen, wie seine Mutter kaltblütig erschossen wird.
Zur gleichen Zeit entdeckt Charles Xavier (später James McAvoy), dass sich die Gestaltenwandlerin Raven (Jennifer Lawrence) bei ihm in der Küche zu schaffen macht, sie wird als kleine Schwester aufgenommen.
Jahre später befindet sich die Welt im Konflikt zwischen den USA und Russland. Der Kalte Krieg erreicht seinen Höhepunkt und das CIA sieht sich mit paranormalen Kräften konfrontiert, weshalb Charles als Genforscher zu Rate gezogen wird. Das CIA stellt nun selbst eine Mutantentruppe auf, der auch Erik beitritt, den sein einziges Ziel, die Rache an Shawn, vorantreibt. Allerdings verfügt Shawn ebenfalls über Mutantenkräfte und verfolgt im Hochschaukeln der Großmächte seine ganz eigenen Ziele.
Wer die Mutanten-Trilogie mit Hugh Jackman kennt oder gar die Comics verfolgt, der weiß, wie der Film ausgehen wird. Das besondere an diesem Prequel ist aber nicht gerade, was passiert, sondern die Frage nach dem Warum? Immerhin sind Magneto und Professor X später Gegenspieler, die sich stets akzeptierten, wie kam es zur Feindschaft? Wer verbirgt sich hinter Mystique? Wo kommt Cerebro, wo dieser übertriebene Jet her? All diese Fragen werden beantwortet, weshalb First Class als alleinstehendes Prequel wunderbar funktioniert, sich dennoch Raum für Fortsetzungen lässt. Am Ende zumindest steht der Zuschauer zufrieden aus seinem Kinosessel auf mit der Gewissheit, einen guten Film gesehen zu haben, kein Geld aus dem Fenster geworfen zu haben.
Nicht ganz so krass wie in Kick-Ass sind die Actionszenen. Die sind furios inszeniert, es steckt auch ein gesundes Maß an Härte und Brutalität darin, wenn eben nötig und vor allem ist er voll von Anspielungen. Viele davon natürlich an die Originaltrilogie. So spielen Charles und Erik des Öfteren Schach, Charles macht sich um seine Haarpracht sorgen und selbst Hugh Jackman bekommt einen grandiosen Cameoauftritt spendiert. Selbst Seitenhiebe auf Picard werden nicht versäumt – klasse. Apropos Klasse: Die Spezialeffekte sind herausragend! Ohne den ganzen 3D-Schnickschnack bewundert man die fulminanten Szenen in einem riesigen U-Boot, die Teleportation eines Mutanten oder eben Magnetos Biegsamkeit.
Nicht selbstverständlich für einen Actionfilm dieser Art sind die schauspielerisch sehr hoch anzusehenden Leistungen. Michael Fassbender, der sich aufmacht, Deutschlands heißester Hollywood-Export zu werden, ist fantastisch. Die gerade einmal 18 jährige Jennifer Lawrence sieht vorrangig gut aus, egal ob in menschlicher oder blauer Gestalt, ihre Glanzleistung in Winter’s Bone wiederholt sie hier jedoch nicht. Auch James McAvoy spielt durchgehend formidabel, nur ist sein Charakter tatsächlich flach. Im Vergleich zu Magneto kann man seine Ideen und Pläne nicht wirklich nachvollziehen, er soll eben einfach ein Gutmensch, pardon, Gutmutant sein. Zu guter letzt darf Kevin Bacon das spielen, was er am besten kann – den Bösewicht, ein Arsch durch und durch, auf gut Deutsch gesagt. Immerhin beweist er auch komödiantisches Talent, als er den von Magneto bekannten Kristallhelm als “dämliches Ding” bezeichnet.
X-Men: First Class spielt weder in der ersten Klasse der jüngeren Blockbuster Geschichte mit, noch steht es ganz am Anfang seiner Schulkarriere. Humor, Action und Drama sind sehr gut ausgewogen, die geschichtliche Einordnung in die Zeit des Kalten Krieges, zusammen mit sozialdarwinistischen Ideologien, letzteres kam schon bei der Trilogie zum Einsatz, das passt einfach. Deswegen ist First Class eine echte Überraschung in diesem Kinojahr und sollte es nicht mit dem Teufel zugehen, wird er wohl nach dem Abschluss der Potter-Reihe mein Sommerfavorit dieses Jahres sein. Eines noch, die deutsche Synchro ist die meiste Zeit über gut gelungen, gerade die Szenen zu Beginn mit Kinderschauspielern fehlt es aber völlig an Überzeugung in den Stimmen und das Originalaufzeichungen von Kennedy auf Englisch mit Simultanübersetzer eingespielt werden ist selten so dämlich in der Synchronisationsarbeit vorgekommen.
8 von 10 (fulminant, furios, witzig – klarer Tipp!)

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Oh ja, Michael Fassbender ist großartig!!!
Ich hab’s ja bei mir schon angemerkt: Ich finde den Film fast ein wenig zu sehr Magneto lastig, was aber möglicherweise daran liegen könnte, dass seine Geschichte einfach wesentlich spannender ist. Im Großen und Ganzen fand ich den Film auch ganz gut, wenn mich auch die einzelnen “neuen” X-Men nicht alle überzeugen konnten (ich sage nur Banshee!!!)
Aber im Gegensatz zum Wolverine-Debakel ist das hier eine würdige Weiterführung bzw. Neuanfang der Reihe.
Volle Zustimmung, außer dass ich Magnetos Geschichte interessant genug fand, um einen Film doch so zu dominieren. Zumindest wird auch sein Handeln in der Original-Trilogie überzeugend aufgedeckt.
Sehr schön
, ich hätte ihm sogar 9 oder 10 Punkte gegeben und Michael Fassbender war in der tat furios!
Jep, ich sollte mir noch mehr Filme mit ihm ansehen, in Inglourious Basterds fand ich ihn auch schon toll, da gingen nur jegliche Leistungen angesichts Christopher Waltz Performance ziemlich unter.
Bei jonah Hex hat er auch eine kleine Rolle ,,,doch das istn och lange kein Grund sich den Film anzutun!
Na gut, ich muss nicht JEDEN Film mit ihm gucken
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