Alles war gut?
1998 erscheint in Deutschland der erste Band einer Romanreihe, dessen Ausmaße sich damals noch nicht einmal erträumt werden konnten. Joanne K. Rowling beginnt die Geschichte um Zauberer in der Welt unserer Gegenwart. Sie verknüpft geschickt die Welt der “Muggel” mit einer fantastischen Umgebung, der Kinder wie Erwachsene gleichermaßen erliegen. 2011 erscheint die letzte filmische Adaption in den Kinos. Hunderte Fans campen am roten Teppich in London vor der Weltpremiere, um ein letztes Mal den Cast um Harry, Ron und Hermine zujubeln zu können.
1998 werde ich eingeschult. Wie Harry das Zaubern er- und eine vollkommen neue Welt kennen lernt, werde ich mit anderen “Künsten” konfrontiert. Lesen, Druckbuchstaben, das Zählen und Rechnen der Zahlen 1-10. Anders als Harry bin ich nicht berühmt, bin kein Waise und habe vor allem keine grausame Kindheit hinter mir (wenngleich ich mit meinem älteren Bruder einige Differenzen auf nicht verbalem Wege austragen musste). Über die Jahre hinweg erscheinen sechs weitere Bänder. Harry durchlebt das gleiche wie ich (nun ja, zeitversetzt in vielen Fällen) und noch viel mehr. 2011, 13 Jahre später bestehe ich das Abitur. Ich bin volljährig, fahre Auto, trinke Alkohol und darf so lange wie ich will draußen bleiben. Harry ist erwachsen und muss seinem schlimmsten Feind gegenübertreten. Meine Kindheit ist unausweichlich mit Harry Potter verbunden. Mein Vater war erstaunt, dass unser Abimotto nicht auf dieses weltweite Phänomen anspielte – die Generation Potter, sie geht nun zu Ende.
Teil zwei des Finales beginnt, wo der erste Teil endete. Voldemort (Ralph Fiennes) hat den Elderstab an sich genommen, während Harry (Daniel Radcliffe) weiterhin nach Horkruxen suchen und verstorbenen Freunden nachtrauern muss. Zur Seite stehen ihm noch immer treu Ron (Rupert Grint) und Hermine (Emma Watson), die mittlerweile von den Heiligtümern des Todes wissen und den nächsten verrückten Coup planen: Sie wollen in die Zaubererbank Gringotts einbrechen, um einen weiteren Horkrux zu vernichten. Nach einer atemberaubenden Flucht aus den gut beschützten Hallen, führt sie der Weg zurück nach Hogwarts. Dort soll ein weiterer Seelensplitter Voldemorts versteckt liegen. Doch der dunkle Lord weiß mittlerweile um die Machenschaften Harrys und belagert die Schule. Ein Kampf um Harrys und Voldemorts Anhänger beginnt, der viele Opfer nach sich zieht – bis Harry eine grausame Wahrheit erfährt.
Nach dem eher gemächlichen ersten Teil des in zwei Hälften gespaltenen Finales, geht es im definitiv letzten Film richtig zur Sache. Nun merkt man deutlich, wie gut sich die gewinnorientierte Maßnahme auf den Inhalt der letzten Buchverfilmung auswirkt. Aus einem Roadmovie entwickelt sich ein epischer Endkampf, der mehr als eine Stunde andauert. Tricktechnisch muss sich dieser auch mittlerweile nicht mehr vor anderen Hollywoodblockbustern verstecken. Doch wer die bisherigen Arbeiten Yates der Potter-Reihe verfolgt hat, der weiß: An Action und Spannung hat es nie gemangelt. Jedoch fehlten ihm dramatisch ein ums andere Mal die benötigten Handgriffe, was sich zuletzt stetig steigerte. Zwei Händchen besitzt er jedoch für Situationskomik. Nicht jeder Spruch wirkt originell, manche Witze sind sogar ziemlich platt. Doch das Timing stimmt immer. Leider vergisst er dabei, öfters in den Tragik-Korb zu greifen.
Kenner des Buches und alle, die Berichte über das Finale verfolgt haben, sind darüber informiert, dass im Film viele bekannte Charaktere sterben werden und das Severus Snape (Alan Rickman) noch eine ganz besondere Rolle zuteil wird. Dummerweise nur wurde Snapes Charakter in den vorigen sieben Filmen sträflich missachtet und das, obwohl Rowling eng mit der Produktion im Kontakt stand. Umso bemerkenswerter ist deshalb, dass es Yates schafft, ähnlich wie bei Dobby im vorigen Teil, Snape einigermaßen gerecht zu werden. Zum ersten Mal darf Alan Rickman schauspielern und hat doch zu wenig Screentime. Sei’s drum, seine Motive werden immerhin annähernd aufgeklärt.
Vollkommen im Dunkeln bleibt hingegen Dumbledore. Immer wieder hält sich Yates eng an die Vorlage, baute bereits im Vorgänger Figuren wie Dodge ein, der eng mit Dumbledore befreundet war und ihn verehrt. Eine Biografie mit reichlich Zündstoff wird unter Wert gehandelt, Albus Bruder zwar vorgestellt, aber wie so viele Figuren in den Potter Filmen bleibt er eine Randfigur, die man lieber gar nicht aufgenommen hätte. Diese Kompromisse, den Büchern und Fans mit bestimmten Charakteren gerecht zu werden, ist seit jeher ein Problem der Reihe. Zu viele Figuren füllen den Cast, die absolut unnötig sind. Zumindest so, wie sie in den Filmen vermarktet werden.
Schauspielerisch darf man durchaus Entwarnung geben. Daniel Radcliffe beweist ein weiteres Mal sein komödiantisches Talent, hat sich aber auch in emotionaler Hinsicht enorm gesteigert. Anderenfalls wäre es wirklich schade gewesen, da die Handlung nun einmal mit Harrys Schauspieler steht oder fällt. Rupert Grint darf Emma Watson nun ebenfalls endlich küssen. Er wird ansonsten als Sidekick abgestempelt, sorgt für die flotten Sprüche und bleibt mit seiner Mimik weiterhin mein Favorit unter den Jungdarstellern. Emma Watson hingegen darf weinen und lachen – was sie gut hinbekommt und natürlich weiterhin bezaubernd aussehen. Rickman wurde bereits lobend erwähnt. Ansonsten ist der illustre Cast mit bekannten Briten übersät. Helena Bonham Carter hat ihr Overacting der Bellatrix deutlich zurückgefahren und gefällt so durchaus besser, wobei sie kaum noch vorkommt.
Neben den computergenerierten Effekten darf zudem der nachbearbeitete 3D-Effekt gelobt werden. Die meiste Zeit ist er zwar sehr unaufdringlich, verleiht dem Bild aber die plastische Wirkung, die gewünscht wird. An den richtigen Stellen ragen dann Zauberstäbe, Zauber oder sogar Drachenköpfe wunderbar aus der Leinwand – wenn man die Wahl zwischen Zwei- und Dreidimensionalität hat, sollte man trotz Aufpreises zur räumlichen Tiefe greifen.
Harry Potter and the Deathly Hallows Part 2 entfernt sich etwas von der Vorlage – das ist bei einem solch umfangreichen Werk ja nicht das Schlimmste. Problematisch werden aber die vielen Andeutungen auf Nebenstränge der Buchreihe, die im Film zuhauf verhallen. Viele Tode werden einmal mehr etwas schnell durch Komik überschattet und so manche Reden sind (zumindest auf Deutsch) arg pathetisch und sülzig gehalten. Der Epilog, den es auch im Roman gibt, sorgt noch einmal für heiteres Gelächter – gefiel im Buch aber besser. Anders als der endgültige Finalkampf, der imposanter, jedoch teils unglaublich dämlich wirkt und sich so mit der Vorlage die Waage hält. Letztlich übertreibt es Yates mit immer wieder gleichen Situationen und Einstellungen. Diese vielen kleine Kritikpunkte summieren sich leider erneut. Klar, so viel Action gab es in noch keinem Potter-Film. Die Reihe als Gesamteindruck wird der Vorlage in keinster Weise gerecht und diese Hypothek musste der achte Film übernehmen. Am Ende war eben vieles gut, leider nur nicht grandios.
7 von 10 (ein humorvoller und actionreicher Abschied von Harry und Co., die Tragik lässt zumeist an Intensität missen)

Die lieber Potter-Mania hat mich nie so ganz erreichen können. Ich hab zwar irgendwann mal den ersten Teil gesehen, aber dann nichts weiter.
Den Einstieg werde ich dann vielleicht wagen, wenn alle Filme auf DVD draußen sind. Inklusive Finale natürlich.
Was ich allerdings schon krass fand, war das Angebot meines Kinos um die Ecke: Die haben nicht bloss ein Double-Feature des Finales gemacht, sondern sich einen ganzen Tag reserviert und alle Filme gezeigt….
Wow, ich saß gestern in einem von gleich drei zeitgleichen Double-Features. War für meine Beine schon eine Qual – aber einen Tag Kino… puh, tough
Ganz ehrlich, man muss die Filme alle nicht gesehen haben. Wenn du die Bücher magst, wirst du enttäuscht sein, wenn du sie nicht kennst, womöglich wenig verstehen. Teil 3, 7 und 8 stechen dann aber etwas hinaus.
Ja, den ganzen Tag im Kino stelle ich mir ziemlich hart vor.
Wie schon gesagt habe ich weder Bücher noch Filme gesehen. Enttäuschung wegen schlechter Umsetzung wird’s da wohl weniger geben, eher Verständnisprobleme. Aber wie gesagt, bis jetzt hat mich Mr. Potter immer relativ wenig gereizt.
Für’s Finale erhoffe ich mir schon etwas Besseres als 7/10, zumal ich den letzten Teil auch besser empfunden hatte. Auf der anderen Seite, der hatte wohl auch mehr Story und weniger Krawall. Na ja, mal schauen.
Vielleicht steckt in mir auch zu sehr der Fan des Buches.
Mach dir selbst ein Bild und ich bin gespannt, wie du den Film bewertest. (Ein Reinfall wie Teil 4 und 5 ist dieser Teil sicherlich nicht.)
Mit den Kritik an den Filmen stimme ich mit dir voll überein, ich war nach jedem Film enttäuscht weil ich eben auch ein Fan der Bücher bin. Ich hoffe Teil 8 ist ein versöhnlich Abschluss mit dem “Phänomen” Harry Potter, wie gesagt man ist damit aufgewachsen und irgendwie ist es auch ein Abschied von der Kindheit für unsere Generation. Vielleicht hätten wir sonst irgendwann eh das Interesse daran verloren, wer weiß…
Nun, die ersten beiden Filme haben die Bücher ganz gut eingefangen (sind allerdings für Zuschauer über 10 Jahren zuuuu kitschig und kindisch), Teil 3 war einfach mal anders und danach wurden die Bücher länger, die Figuren darin mehr und in den Filmen hat man versucht so viel wie möglich einzubringen. Dadurch wirken sie für mich halbgar und nie überzeugend – und der letzte Teil trägt eben diese Bürde. Spaß machts trotzdem, enttäuscht bin ich dennoch.
Ich würde ihn fast als besten Film der Reihe bezeichnen, vielleicht aufgrund seiner epicness kein Vergleich mehr zu den erstne zwei die ja ziemliche Fmailienfilme waren. Hier gibts Blut, Rrieg, Schutt, Asche und massenweise Tote, irgendwie erinnerte mich alles ein wenig an “Der Untergang”
Vergleiche die Schlacht doch mit denen aus Herr der Ringe – da gibt es neben Action auch Tragik und Dramatik – das Herz fehlt mir bei Harry Potter im Finale noch immer. Die vielen Tote werden so schnell abgehakt, so kann man doch nicht den Figuren gerecht werden…