All allowed to watch
Peter Jackson wollte ursprünglich die Videospielverfilmung Halo produzieren – der Regisseur an seiner Seite: Neill Blomkamp. Dann kam es alles anders. Das Projekt scheiterte und Jackson hat 30 Mio. $ übrig und erlaubt Blomkamp, aus diesen Mitteln einen Film zu schaffen. Der erinnert sich an seinen eigenen Kurzfilm Alive in Joburg aus dem Jahre 2005 und erweist dem nun die Ehre. Mit genug Geld im Rücken dreht er einen Film, in dem er eigene Erfahrungen aus der Kindheit mit einfließen lässt.
1982 landet ein Mutterschiff über Johannesburg. Millionen von außerirdischen Lebewesen sind an Bord, doch das Raumschiff hat seinen Geist aufgegeben. Die Welt schaut auf Südafrika, wie die politische Führung mit solch einer Situation umzugehen habe. Den Aliens (Prawns) wird ein Stadtviertel gewährt, dass sich in ein riesiges Slum entwickelt. Zudem steht die Menschheit der insektoiden Alienrasse mit gemischten Gefühlen gegenüber. 2010 hat sich mittlerweile der Verbund MNU (Multi-National Union) gegründet und plant eine Umsiedlung der Prawns aus District 9 in einen Konzentrationslager-artiges District 10. An vordester Front steht Wikus Van De Merwe (Sharlto Copley), ein Büroarbeiter, dem nun die große Möglichkeit des Außeneinsatzes zuteil wird. Doch beim Fund eines geheimnisvollen Geräts der Aliens, infiziert sich Wikus und verwandelt sich langsam in ein Prawn und wird nun selbst Versuchsobjekt seiner rigoros vorgehenden Arbeitgeber.
Man muss kein Historiker und großer Analytiker sein, um die Parabel von District 9 zur Zeit der Apartheit in Südafrika zu ziehen. Die Prawns werden zwar auf der einen Seite geduldet, aber in keinster Weise als ebenbürtige Lebewesen angesehen. Ihre Rechte werden aufs Übelste missachtet und es braucht nicht viel, dass ein Soldat den Abzug seiner Waffe zieht. Diese Vorgehensweise gepaart mit den katastrophalen Lebensumständen in den Slums erzeugen tatsächlich Mitleid mit den wie große Kakerlaken auf zwei Beinen stehenden Aliens.
Nicht nur, dass sie von der MNU vertrieben werden, in District 9 hat sich zudem eine Gruppe afrikanischer Rebellen breit gemacht und regiert den Zufluchtsort der Prawns. Ihr Anführer ist mit teils äußerst primitiven Mitteln davon besessen, mit den Alientechnologien umgehen zu können – insbesondere deren progressiven Waffen, die jedoch nur mit Prawn-DNA funktionieren. Genau hinter diesem genetischen Code sind auch die Bosse der MNU her, wenngleich nur im Verborgenen. Die Verwandlung Wikus macht ihn deswegen so attraktiv für die Wissenschaftler – und für ihn so lebensbedrohlich.
Vom Jäger wird Wikus zum Gejagten. Von den Glücksgefühlen, einen der bedeutungsvollsten Aufträge der Alien-Mensch-Geschichte zu leiten, wird er zum Abschaum degeneriert. Ein klassischer Fall eines anfangs so gar nicht sympathischen Helden. Denn wie die übrigen MNU-Arbeiter/-Soldaten springt er mit der Alienrasse übel herum, zumindest schwört er selbst der offenen Gewalt ab.
Das Besondere an District 9 ist allerdings nicht einmal die (zudem recht durchschaubare) Handlung und deren Bezug auf wahre Begebenheiten, sondern die Machart. Wie es in den letzten Jahren fast schon zur Mode geworden ist, filmt Blomkamp im Stile eines Dokumentationsfilms. Zu Beginn werden einige “Experten” interviewt. Die sitzen stilecht in Büros, ihre Namen und Postionen werden eingeblendet und im Slum wird Wikus von einer MNU-Kamera verfolgt. Das erste Drittel des Films wirkt so trotz des Science-Fiction-Szenarios ungemein realistisch. Dann jedoch wird dieser Stil gebrochen – Wikus ist alleine unterwegs und bis zum Ende handelt es sich im Grunde um eine cineastische Kameraführung. Die Illusion, die in den ersten 20, 30 Minuten erzeugt wird, schwindet so leider. Am Grundton des Films ändert sich dadurch nichts, die Atmosphäre leidet dennoch darunter.
Angesichts des im Vergleich zu den großen Blockbustern mit 30 Mio. $ recht geringen Budget überzeugen die Alienmodelle mit zunehmender Dauer immer mehr. Opulente Actionszenen gegen Ende des Films haben bei den Alienwaffen zwar einen leichten Trashfilm-Touch, sind aber insgesamt doch recht beeindruckend. Zudem kracht und blitzt es – da kommen Sci-Fi-Fans noch auf ihre Kosten. Obwohl so viele verschiedene Stile vermischt werden, hat District 9 einen nicht zu leugnenden Charme und ein Ende, das einen halb hoffnungslos, halb erfreut zurücklässt. Die Oscarnominierung 2010 (für mich damals überraschend) für den besten Film, war durchaus gerechtfertigt und sollte Blomkamps Film die nötige und berechtigte Aufmerksamkeit verliehen haben.
9 von 10 (interessanter Beginn filmisch wie inhaltlich, flacht mit der Zeit etwas ab, um am Ende voll reinzuhauen – klasse)
DVD/Blu-Ray (Bild und Ton waren OK, durch viele Dokumentarfilm-typische Aufnahmen und Handkameras wirkt das SD-Bild passend)

Anfangs war ich auch sehr begeistert von dem Film, aber mit der Zeit hört dieses Pseudo-Doku-Reportage-Feeling im Film auf und weicht dem klassischen One-Man-Army-Action-Geballer.
Ich hatte mir einfach etwas mehr erhofft…
Ich hatte keine großartigen Erwartungen und habe mich mal auf den Film eingelassen. War so eine gute Entscheidung.
Yep, toller Film! Ich muss mich aber für die Blu-ray aussprechen, die nicht nur ein fantastisches Bild, sondern auch gute Extras bietet – zumindest soweit ich mich erinnere…
Also, meine DVD/Blu-Ray-Bemerkung sollte nicht als ultimatives Kaufentscheidungsmerkmal aufgefasst werden. Schon deshalb nicht, weil ich die beiden Medien in den meisten Fällen (bisher in allen) gar nicht vergleichen kann.
Die Extras habe ich mir zu dem Film ohnehin nicht angesehen…
Dass die Blu-ray ein besseres Bild liefert, hoffe ich mal
Ich kann mich nur dem Don anschließen: Hochinteressanter Beginn, doch irgendwann flacht der Film zu einer Ballerorgie zum Vergessen ab. Dementsprechend erinnere ich mich auch an wenig. Sehr okayer Film, aber sicher nicht das allseits angepriesene Meisterwerk.
Klar, nach dem wirklich sehr guten Anfang lässt der Film etwas nach – das gefiel mir aber immer noch, obwohl der Wechsel vom Dokumentar- zum “gewöhnlichen” Filmstil Eingewöhnung brauchte. Für mich ist District 9 überraschend gut.