Zum zweiten Mal möchte ich in einem Artikel eine kleine Auswahl der Filme vorstellen, die mir in den letzten Tagen/Wochen auf den Schirm gekommen sind. Eigentlich hätten alle davon einen langen Artikel verdient – aber dafür bin ich gerade zu faul und einfallslos. Ein weiterer Grund dafür, nicht ausführlich über die folgenden 4 Werke zu schreiben, hängt mit der Tatsache zusammen, dass ich mir bei einigen gar nicht sicher bin, wie diese zu bewerten sind.

The General (1927) – Regie: Buster Keaton & Clyde Buckman

Buster Keaton ist im Grunde der Charlie Chaplin, bevor Charlie Chaplin selbst im Filmgeschäft auftauchte. Nun, so ganz stimmt das nicht. Beide sind unbestritten wahre Könner ihres Faches – Schauspielerei. Beide können selbst Jahrzehnte nach Erscheinen ihrer Filme noch Lacher ernten, allerdings säen sie auf verschiedene Arten. Chaplin setzt vor allem auf Slapstick-Einlagen und wiederholt diese bis zum absoluten Zenit. Keaton setzt eher auf Situationskomik. Das Ergebnis ist am Ende gleich: Gelächter.

Johnny Gray (Buster Keaton – seine Figuren haben tatsächlich Namen) ist in die wunderschöne Annabelle (Marion Mack) verliebt. Doch die weist ihn ab, als er ohne in der Armee der Südstaatler aufgenommen worden zu sein, wieder bei ihr aufkreuzt. Dabei ist der Lokomotivführer doch bereit für den Bürgerkrieg – wird nur wegen seines Nutzens als Mechaniker nicht eingezogen. Als Annabelle, die Tochter des Generals entführt wird, packt Johnny die Gelegenheit beim Schopfe und jagt die Entführer und deckt dabei gleich einen wohl durchdachten Plan der Nordstaatler auf – und versucht den auf dem Weg zurück auch noch zu vereiteln.

Wie gesagt setzt Keaton auf allerhand Situationskomik. Die ist nicht selten enorm halsbrecherisch – im wahrsten Sinne des Wortes. Keaton verletzte sich bei einem seiner vielen Stunts am Genick. Kaum verwunderlich, wenn man sich die vielen Aktionen im Film anschaut. Sie machen aber den besonderen Reiz von The General aus. Was hier so gut getimed abläuft ist schier atemberaubend und immer wieder aufs Neue urkomisch. Da ist die aus heutiger Sicht banale und pathetische Handlung kaum noch ein Kritikpunkt.

9 von 10

Melancholia (2011) – Regie: Lars von Trier

Justine (Kirsten Dunst) feiert ihre Hochzeit bei Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) und Ehemann (Kiefer Sutherland) unter einem wahrhaft schlechten Stern. Genau genommen handelt es sich dabei um einen Planeten – “Melancholia”. Der befindet sich auf ungeradem Wege auf Kollisionskurs mit Mutter Erde – auch wenn das immer wieder bestritten wird. In zwei Akten zeigt von Trier das Leben zweier Schwestern, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Selten rückt ein Film so in den Hintergrund wie Melancholia, als Lars von Trier in Cannes ein umstrittenes Interview gibt. Kurz darauf verkündet er das letzte offizielle Wort, das über seine Lippen geht: Keine Interviews mehr. Dabei hat Melancholia mit Kirsten Dunst bereits den prestigeträchtigsten Preis Europas in Cannes einfahren können (sie dürfte eine heiße Kandidatin für einen Oscar sein). Schauspielerisch ein Meisterwerk. Wie bei Antichrist realisiert der dänische Regisseure die unmöglichsten Bilder. Wie bei Antichrist habe ich das Problem, den Film nicht einordnen zu können. Gut oder schlecht? Selbst nach einer Zweitsichtung komme ich keiner Wertung annähernd nahe. Melancholia ist keinesfalls schlecht, nicht wirklich langweilig – aber mit Längen. Sehenswert ist er allemal – aber nichts für einen lockeren Filmabend.

Modern Times (1936) – Regie: Charlie Chaplin

Ja, da folgt der zweite Chaplin Film in meinem noch jungen Leben. Dieses Mal gerät der kurzgewachsene Schauspieler und Regisseur in die Welt der Industrie. Als Arbeiter am Fließband erleidet er einen Nervernzusammenbruch, wird sogar festgenommen und findet sich einige Male im Gefängnis wieder. In seiner Zeit in der Freiheit verliebt er sich in eine hübsche junge Frau, die von der Arbeitslosigkeit ihres Vaters und danach unter seinem Tod zu leiden hat. Zusammen wollen sie der grauen und tristen Realität ein Schnippchen schlagen und sich den Traum eines eigenen Hauses verwirklichen.

Chaplin nimmt sich bereits 1936 dem Thema Burn-out an. Er kritisiert das, was heute aktueller nicht sein könnte. Unterdrückung der Arbeiter, hohe Arbeitslosigkeit, Oppression der Kapitalisten (klingt jetzt ein wenig marxistisch….), kommt uns doch allen irgendwie bekannt vor. Einen solchen zeitlosen Film muss man erst einmal kreieren – und Chaplin hat das bravourös geschafft.

Klingt jetzt nach einem Meisterwerk. Allerdings stören hier und da doch einige Kleinigkeiten. Anders als bei City Lights sind lange nicht alle Gags so gut dargeboten wie man sich das wünschte. Ganz klar, die Fabrikszenen zu Beginn sind wahre Slapstick Kunst. Chaplin zieht hier alle Register bis er vollkommen durchdreht und durch Zahnräder gejagt wird – grandios und sicher eine der besten Filmsequenzen aller Zeiten. Ach ja, ganz nahe an der Perfektion – ja doch, es ist ein Meisterwerk.

10 v0n 10

Un chien andalou (1928) – Regie: Luis Buñuel

Zum Abschluss einen weiteren Stummfilm. Kurz ist er obendrein, doch wer denkt – kurzer Film, kurze Wirkung, der ist vollkommen im falschen Bilde. Ein Rasiermesser durchschneidet einen Augapfel, Ameisen quillen aus Händen, Tierkadaver verwesen in Wohnräumen. Das ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf die vielen Experimente, die einem in diesem französischen Avantgardefilm erwarten. Für Zartbesaitete ist das tatsächlich nichts. So offen Ekelerregendes zu zeigen, damit rechnet man nicht zu den noch Anfängen des Films.

Eine Story sucht man vergebens. Einen Roten Faden kann man nicht nur durch die fehlenden Farben nicht ausmachen. Buñuel zeigt hier alptraumhafte Szenen und Bilder und reiht sie zu einem Gesamtwerk zusammen, dass irgendwie kaum zusammenpasst. Der Sinn mag sich mir nicht so wirklich erschließen. Wieder einmal habe ich keine Wertung klar vor Augen. Doch dieses Mal kann ich mit Fug und Recht behaupten: Sehen sollte das eigentlich jeder einmal – danach wird man es bestimmt nicht vergessen!

Über Dos Corazones

Ich bin 20 Jahre alt und habe mich in den vergangenen Jahren zu einem echten Filmfan entwickelt. An Filmgeschichte gibt es zwar noch einiges nachzuholen, aber ich arbeite schon dran. Ansonsten bin ich noch Fan vom BVB 09, spiele Gitarre (ein kleines bisschen Bass), Fußball, Computerspiele und fahre auch gerne zum Ausgleich Fahrrad.

3 Antworten »

  1. Dr. Borstel sagt:

    “Melancholia” und gerade “Modern Times” kann ich genau so unterschreiben. Mein Lieblings-Chaplin, noch vor “The Great Dictator”.

    • Der kommt dann demnächst – obwohl der nicht einmal zur erstrebenswerten Standartfilmografie zählt.

  2. [...] meine Wahl auf The Artist (F 2011, R: Michel Hazavanicius). Allerdings fehlen mir da Filme wie Melancholia (DK/D/u.a. 2011, R: Lars von Trier) und Carnage (F/D/PL 2011, R: Roman Polanski), die leider [...]

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