Zum dritten Mal reicht die Zeit nicht aus, eine kleine Auswahl der zuletzt gesehenen Filme in einzelnen Artikeln ausführlichen Rezensionen zu besprechen. Also mache ich mal wieder einen filmischen Rundumschlag, der wertungstechnisch zu den vorherigen Ausgaben ziemlich abfällt – halt kein Chaplin-Film dabei
Bronenosets Potyomkin (1925) – Regie: Sergej Eisenstein
An dem Titel erkennt man den Film nun möglicherweise nicht sofort. Der Regisseur gibt immerhin einen leichten Hinweis darauf, dass wir es hierbei mit einem russischen Filmtitel zu tun haben. Panzerkreuzer Potemkin – so der deutsche Verleihtitel – handelt von einer Mannschaft des namensgebenden Militärschiffs im vorrevolutionären Russland. Die Matrosen meutern gegen die schlechten Bedingungen an Bord und ziehen mit dieser Revolte eine ganze Wucht von Gewalt nach sich, die selbst vor Müttern und Kindern keinen Halt macht.
In 5 Kapiteln erzählt Eisenstein diese Geschichte, die mit einer ziemlich bekannten Szene auf einer schier endlosen Treppe in Odessa einen unangenehmen Höhepunkt findet. Handlungstechnisch weiß der Film leider wenig zu überzeugen. Trotz der mageren Laufzeit von knapp 70 Minuten zieht der Film sich mitunter ziemlich. Unfassbar modern wirkt er hingegen in seiner Montage. Die Bilder des blutigen Massakers auf der Treppe Odessas wird grandios inszeniert und bebildert – dabei offenbaren sich eben Längen in der Szene, die allmählich die Aufmerksamkeit des Zuschauers hart auf die Probe stellen. Dennoch Eisensteins “Montage der Attraktionen” ist heute so modern wie damals revolutionär. – Filmgeschichtlich sicherlich wertvoll, insgesamt aber wenig unterhaltsam -
7 von 10
Atalante (1934) – Regie: Jean Vigo
Noch ein Film, den ich meinem Studium verdanke. Ein früher Tonfilm aus Frankreich, über den ich mich ja bereits am Movie Monday ausließ. Der Film erzählt eine recht simple Liebesgeschichte. Die Hochzeit eines Matrosen und eines Dorfmädchens, das die weite Welt (also Paris – ist ja Frankreich) entdecken möchte. Doch die Reise auf dem Schiff “Atalante” verkommt zu einem höchst monotonen Erlebnis. Selbst als die Stadt der vielen Lichter erreicht wird, können die frisch Vermählten nicht in die Stadt aufbrechen. Als es der Gattin zu viel wird, zieht von alleine los. Ihr Mann legt aus Wut ab und verfällt danach in tiefe Depression.
Problematisch an dem Film ist: Diese Romanze nach Schema F ist mittlerweile zu oft wiederholt worden, als dass mich die Handlung noch verblüffen könnte. Außerdem sah ich Atalante im französischen O-Ton. Wir erinnern uns – früher Tonfilm – und so hört er sich eben auch an. Selbst mit guten Französischkenntnissen wird der Ton zu einer großen Barrikade. Gut der Untertitel half zum Verständnis, aber die Geschichte macht es eben nicht besser. Zudem gaben die Bilder (anders als beim vorherigen Kurzreview) nicht viel her. Wie der Titel als einer der besten Filme aller Zeiten ernannt werden konnte, geht mir leider nicht in den Kopf.
3 von 10
The Island (2005) – Regie: Michael Bay
Kann ich bei einem Michael Bay-Film wirklich noch mit Erwartungen begegnen? Man fährt sicherer, wenn man es nicht tut. Die Insel zeigt uns eine dystopische Zukunft. Eine Atomkatastrophe hat die Menschheit bis auf ein paar wenige Überlebende ausgelöscht. Die wenigen leben unter der Oberfläche in einem Bunker unter strikter Aufsicht und in weißen Uniformen. Einzige Aussicht auf ein besseres Leben bietet die Lotterie auf “die Insel”. Doch Lincoln (Ewan McGregor) stellt die heile Welt unter Tage in Frage. Als er Zeuge wird, wie ein Lotteriegewinner schreiend abgeführt wird und um sein Leben kämpft, wittert er: Die Insel ist eine Lüge. Zusammen mit seiner Freundin Jordan (Scarlett Johansson) flieht er aus dem Komplex – und sie erkennen an der Oberfläche, dass die Welt ziemlich in Ordnung zu sein scheint. Der Boss der Anstalt (Sean Bean) will die beiden auf jeden Fall einfangen. Denn sie sind bloß Klone und dienen für Reiche als lebende Ersatzteile.
Eines muss man Bay zu Gute halten. In den ersten 20-30 Minuten gibt es keine Actionsequenz und große Effect-Shots sucht man vergebens. Das ändert sich nach der stimmungsvollen Einführung. Danach sehen wir die beiden Protagonisten noch viel rennen. Weder McGregor noch Johansson haben entweder Lust oder keinen Raum, um zu schauspielern. Das sie es können, haben sie oft genug bewiesen. Dazu kommt noch eine der schlimmsten montierten Actionszenen, die mir je untergekommen ist. Eine Verfolgungsjagd auf dem Highway, mitsamt Helikopter, Explosionen und bösen Buben wird durch wildeste Schnitte quer durch den “Raum” unüberblickbar – das von Michael Bay, der sich praktisch auf Bombast-Action spezialisiert hat. Unverständlich.
5 von 10

Panzerkreuzer Potemkin ist wirklich so ein Uni-Vorführfilm
wir haben uns den in einem Seminar auch mal angeschaut – natürlich auch hauptsächlich nur wegen der Montage-Techniken.
“Die Insel” mag ich total gerne. Hab den damals im Kino gesehen und auch im Regal stehen. Ich find den toll.
Kann durchaus stimmen mit Potemkin
Für Bay-Verhältnisse habe ich “Die Insel” noch recht hoch bewertet…
Kenne von den dreien nur “Die Insel”, und ich persönlich finde ihn gar nicht sooo schlecht. Und das, obwohl er (besonders zu Beginn) schon ziemlich bei “Logan’s Run” abkupfert.
“Logan’s Run” kenne ich nun nicht, also nicke ich mal unter Vorbehalt.
Und 5 von 10 ist ja nicht grundsätzlich schlecht – aber anschauen muss man den Film nicht einmal wegen Scarlett, die sieht man ja eh nicht so viel