Lawyered
Die dritte Staffel um den Autoren Hank Moody stand ich eigentlich ziemlich kritisch gegenüber. Dennoch vergab ich 8 von 10 Punkten (wie ich zu meiner eigenen Überraschung feststellte). Tatsächlich war die dritte Season die bis dato schwächste der wunderbar anderen Serie. Die gar nicht mal mehr so frische vierte setzt diesen Abwärtstrend zum Glück nicht fort – dabei bleibt eigentlich noch alles beim Alten.
Hank Moody (David Duchovny) steckte am Ende der dritten Season ganz tief im Schlamassel. Nun hat er eine Nacht im Kittchen verbracht und muss feststellen, dass er kein Zuhause mehr hat. Ex-irgendwas Karen (Natasha McElhone) und Tochter Becca (Madeliene Martin) wollen ihn erst einmal gar nicht mehr sehen. Mittlerweile ist nämlich publik, dass Hank mit der damals 16-jährigen Mia geschlafen hat und ihn der kalifornische Staat als Exempel verklagt. Derweil soll sein neuestes Buch “Fucking and Punching”, eben über diese unheilvolle Beziehung, verfilmt werden und Hank soll das Drehbuch schreiben. Sein bester Freund und Agent Charlie (Evan Handler) wird wieder bei seiner alten Firma eingestellt und fasst sich nun selbst das Ziel, mit insgesamt 100 Frauen Sex zu haben. Hank steuert trotz seiner Anklage und seiner andauernden Liebe zu Karen wohl im Laufe der Staffel eher an die Tausendermarke zu.
Wie gesagt, Tom Kapinos ändert an seiner Serienidee nichts Grundlegendes. Im Vordergrund steht erneut das Liebesdrama zwischen Hank und Karen und die ständigen Schäferstündchen mit allerlei Schönheiten. Gerade in den sexuellen Beziehungen von Charlie werden dabei wunderbar peinliche wie lustige Szenen offenbart. Doch neben dem Witz, der im Vergleich zur letzten Staffel noch einiges an Qualität gewinnt, findet auch der dramatische Anteil zu neuen Höhen wieder. Die Mischung aus Sex, Humor und Drama stimmt endlich wieder. Blöderweise sind einige Charakterschwankungen (teilweise innerhalb einzelner Folgen!) noch immer fester Bestandteil der Serie.
Gerade Duchovnys Figur Hank Moody wird wieder zum Inbegriff des genialsten Charakter der Serienlandschaft. Wenn er sich von der Schauspielerin, die Mia im Film darstellen soll, beim Sex schlagen lässt (in den “guten” alten Erinnerungen schwelgend), ist das eine in ihrer Tragik unnachahmliche Szene. Von solchen gibt es einige, die gerade in den letzten Folgen “The Last Supper” und “…and Justice for All” ihre Höhepunkte finden. Selbst “Blacky”, Hanks Porsche, muss wieder kräftig leiden. Das materielle Abbild seines Seelenlebens ist das reinste Wrack, das gerade noch läuft. Wunderbar: Aber erst nachdem Karen dem Porsche Starthilfe gibt.
Die episodenübergreifende Handlung der nahenden Gerichtsverhandlung und der Vorproduktion des Films “Fucking and Punching” wird bei den kleineren Geschichten nie aus den Augen verloren, wodurch sich ein wirklich nettes Ganzes ergibt. Nach einer Folge will man einfach nicht mehr aufhören. Nun gut, wie bei Californication gewohnt, besteht die vierte Staffel nur aus solchen zwölf, dennoch wünscht man sich danach mehr. Dieser Suchtfaktor verleiht Californication eine ganz eigene Dynamik, die mir derzeit selten zu Augen kommt.
Californication bleibt in Season 4 bei seinen Wurzeln. Der Traum von Hollywood wird hier weiterhin kräftig durchwühlt und äußerst kritisch auseinandergenommen. Im Mittelpunkt steht Hank Moody alias David Duchovny in seiner wahrscheinlich besten Rolle aller Zeiten (nein, ich kenne die X-Files nicht). Mit diesem Charakter fühlen wir als Zuschauer immer noch mit. Wir lachen, weinen und träumen mit ihm. Wer auf solch eine starke Rolle aufbauen kann, hat bereits die halbe Miete eingefahren. Die übrige Hälfte verschafft sich Californication durch die vielen Geschichten und Dramen rundherum. Und Staffel 5 startet bereits im Januar 2012 in Amerika!
9 von 10 (Zusammen mit Season 2 der Höhepunkt der Serie.)

Californication ist eine großartige Serie.Staffel 4 habe ich leider noch nicht gesehen.
Zwar fand ich Staffel 4 auch wieder besser, als die äußerst schwache 3., doch spielt sie meiner Meinung nach nicht in der Klasse der ersten beiden Jahre.
Oh, da muss ich ja noch was nachholen. Bisher habe ich Californication noch gar nicht in Angriff genommen…
@don: Unbedingte Empfehlung von mir, ich freue mich jetzt wahnsinnig auf die nächste Season!
@bullion: Die ersten beiden Staffeln und die 4. sind aber ohne Frage sehr gute Serienerfahrungen.
@isaldemar: Oh ja, schnell einsteigen. Wie gesagt, es sind bloß 12 Folgen pro Staffel – das kann man noch gut nachholen.
Kann ich glatt so unterschreiben. Ich empfand die 4. sogar als die bisher beste, weil schwache Folgen fehlten, wie sie die ersten drei Staffeln ohne Frage hatten. Dementsprechend freue ich mich schon sehr auf die Fortsetzung.
Stimmt, dafür hatte die zweite Staffel noch ein paar Folgen, die wirklich herausragend waren – die machen die etwas schwächeren wieder wett.