Oh, no Morlocks!
H.G. Wells ist ja durch seine dystopischen Klassiker der Literatur um 1900 berühmt geworden. The Time Machine wurde gleich zwei Mal verfilmt, dabei ist das knapp 100-seitige Werk nicht gerade leicht umzusetzen. Ob George Pal mit Drehbuchautor David Duncan einen guten Job erledigt hat, erfahrt ihr hier.
George (Rod Taylor) ist besessen von der Zeit. Ein neues Jahrhundert steht kurz bevor und er will unbedingt noch vor der Schwelle ins neue Jahr seiner intellektuellen Gesellschaft seine neueste Erfindung fortführen. Es handelt sich um ein kleines Modell seiner Zeitmaschine, die er vor ihren Augen verschwinden lässt, doch glaubt ihm keiner, dass sie tatsächlich in die Zukunft reist. Enttäuscht von der Ignoranz seiner Zeitgenossen, setzte er sich in das richtige Modell und begibt sich auf eine Reise in die Zukunft und wird Zeuge von grausamen Ereignissen in der Zukunft, bis er schließlich 800.000 Jahre in der Zukunft die scheinbar perfekte Gesellschaft der Eloi entdeckt.
The Time Machine hält sich nicht sonderlich streng an die Buchvorlage. Zwar haben wir auch hier dieselbe Ausgangsposition, dass der Zeitreisende (im Buch übrigens namenlos) zurückgekehrt ist und von seinen Erfahrungen aus der Zukunft berichtet, doch dauert es über eine halbe Stunde, bis wir die Eloi sehen. Bis dahin macht der freie Umgang mit Wells Geschichte durchaus Sinn. Denn mittlerweile sind über 60 Jahre vergangen und über Wells Zukunft wissen wir nun einmal 1960 etwas mehr. So erfährt George von gleich zwei Weltkriegen, die direkt über seinem Haus ausgetragen werden, bis schließlich in den 60ern der damals noch anhaltende Kalte Krieg ausbricht und Atombomben über England fallen.
George wird also Zeuge der übelsten damals denkbaren Gräueltaten der Menschheit (heute unumstritten noch immer so anzusehen) und wird damit als Angehöriger der viktorianischen Zeit tatsächlich Identifikationsfigur für die Kinozuschauer, die sich vor dem Ausbruch der Anspannungen zwischen Ost und West fürchteten. Dann also endlich vergehen nicht nur Jahrzehnte, sondern Jahrtausende, bis sich George in einer grünen Oase befindet und mit den Elois und Morlocks zwei Menschengattungen kennen lernt, die verschiedener nicht sein könnten.
Hier treten die ersten gravierenderen Unterscheidungen zu Wells Buch auf. Die Eloi sprechen Englisch (nun gut, die Zeitmaschine reist nur durch die Zeit, George befindet sich noch auf dem Boden des früheren Englands). Allerdings wird ziemlich schnell offenbart, dass die Menschen der Zukunft kaum miteinander sprechen. Zudem kennen sie Begriffe wie Arbeit, wobei Eloi nur essen, schlafen und herumtollen. Jedenfalls bricht die Illusion einer fernen Zukunft an den Dialogen, wobei man natürlich den Kompromiss der Filmemacher verstehen kann.
Bevor hier kurz auf die weitere Entwicklung eingegangen wird, sollen noch einige weitere Anmerkungen gemacht werden. Den Effekten sieht man an, dass mittlerweile weitere 60 Jahre vergangen sind. Immerhin sind einige Explosionen auch heute noch wuchtig. Die Kostüme der Morlocks sind hingegen ein Witz, besonders wenn man die ausgefeilten Affen aus Planet of the Apes nur acht Jahre später zum Vergleich heranzieht. Optisch (auch anhand der Kulissen) ist der Film unheimlich gealtert und verliert so einiges an Faszination für die in wenigen Szenen wirklich gut eingefangenen fremden Welt der Zukunft.
Nun muss aber doch auf das Ende eingegangen werden. Denn als großer, wenn nicht größter Kritikpunkt überhaupt erweist sich die Moral, die klar und deutlich auf den historischen Hintergrund des Kalten Kriegs abzielt. SPOILER. George zieht mit den Eloi in den Kampf gegen die sie unterdrückenden Morlocks und vernichtet ihre diktatorische Struktur, ihre Fabriken und tötet die menschenfressenden Ungetüme. Die vorherigen Gräuel der Weltkriege werden gegen Ende obsolet: George baut eine neue Welt in der Zukunft auf, nachdem er die Feinde mit aller Macht und Gewalt niedergestreckt hat. SPOILERENDE.
The Time Machine verkommt in den knapp 100 Minuten zu einem noch immer Hollywood-typischen Spektakel. Die dystopische Stimmung der Buchvorlage geht mit der Abänderung des Endes vollkommen verloren – und damit auch die eigentlich Aussage von H.G. Wells. Wenn die wenigstens durch eine vertretbare Moral ersetzt worden wäre, könnte man davon absehen. So verkommt der Film doch eher zur Verbildlichung westlicher Werte im Kampf gegen den bösen Osten. Wer Science-Fiction-Dystopien mag, sollte aus dieser Zeit eher zum ersten Planet of the Apes greifen.
5 von 10 (teils schöne Bilder, leider schlecht gealtert – nicht nur optisch, sondern auch ethisch)




Ich habe den Film viel positiver wahrgenommen (hier meine Kritik), was aber vielleicht auch den Sichtungsumständen geschuldet ist. Auf jeden Fall Prägend für das Sci-Fi-/Fantasy-Genre.
Das Remake fand ich dagegen nicht so gelungen. Die Effekte waren aber auch hier toll.
Nun, ich habe vor der Sichtung auch so etwas erwartet – das Remake habe ich allerdings noch nicht komplett gesehen. Dabei wollte ich eigentlich beide gucken. Vielleicht hole ich das zur Vollständigkeit noch nach.
Ich mag den Film sehr, was aber auch wieder mal an meiner Abneigung gegen das schlechte Remake liegen mag
Klar ist es ein Hollywood-Spektakel, aber genau das wollte man mit diesem Film doch erreichen. In einen Film mal alle coolen Effekte der damaligen Zeit präsentieren. Heutzutage sieht das alles sehr witzig aus, macht aber für mich genau den Charme des Films aus.
Und noch was: Erspar dir das Remake! Echt! Wirklich!!! Ist grottenschlecht!