Es ist wieder Sonntag und ich hätte beinahe vergessen, was ich am Sonntag eigentlich auf diesem Blog machen wollte. Dementsprechend ist die nachfolgende Szene gar keine, sondern eine Plansequenz, die mir als erstes in den Sinn kam – zu dem besten, was ich je gesehen habe, gehört sie dennoch.

Children of Men (USA 2006, R: Alfonso Cuarón)
Die Rede ist selbstverständlich vom Häuserkampf aus Cuaróns dystopischer Zukunftsvision unserer Erde. Kurz gesagt: Seit 18 Jahren kam aus unerklärlichen Gründen kein Kind mehr auf die Welt. Das politische System hat sich zu einem autoritären Überwachungsstaat gewandelt und generell herrscht Distress und der einfache Trieb zu überleben. Clive Owen spielt die Hauptrolle und wird wider Willen zum Beschützer einer jungen Frau, die tatsächlich ein Kind gebärt. Ein Fünkchen Hoffnung also in einer wirklich düsteren Zukunft.
Nun also zum ausgewählten Abschnitt des Films. Es handelt sich wie bereits erwähnt um eine Plansequenz, also um eine komplexe und durchgeplante lange Einstellung. Diese Technik ist schon kompliziert genug und zeigt, was in einem Filmschaffenden wirklich steckt. Doch diese Sequenz stellt nun wirklich alles in den Schatten. Cuarón lässt Panzer auffahren. Es wird geschossen, geschrien, gelaufen und Gebäude stürzen fast ein. Jeder Schritt ist perfekt durchchoreografiert. Das wirklich Besondere ist aber wohl, wie uns die Kameraführung als Zuschauer in das Geschehen regelrecht einsaugt.
Die Kamera begleitet zwar größtenteils Clive Owens Schritte und Blicke, doch entwickelt zwischendurch immer eine gewisse Eigendynamik. Mit der Handkamera geht es nach vorne und wieder zurück – als ob man selbst dort stünde und nicht wüsste, wohin mit mir, wo bin ich sicher? Unterstützt wird das ganze noch durch Blutspritzer und Staub auf der Kameralinse. Ein echtes Mittendrin-Gefühl entsteht. Einen ähnlichen Sog bewirkt die Soundkulisse. Ein drängendes Piepen untermalt das Geschrei, die schnellen, scheinbar unkoordinierten Schritte und das Getöse der Schlacht.
Hoffentlich konnte ich noch ein Bild davon vermitteln, warum diese Sequenz im Gedächtnis bleibt. Wenn die Beschreibung (und das kann sie bei dieser Flut an Bildern eigentlich nur sein) nicht ausreicht, klickt das Video an:



Leider kann man das Video nicht ansehen
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Hm, das war beim Einstellen des Artikels noch nicht so… Ach, verdammtes Copyright. Allerdings ist der gesamte Film sehr empfehlenswert und äußerst sehenswert (die Kameraarbeit gehört zum Besten der Filmgeschichte!).