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Naissance des pieuvres (2007)


Filme über die geplagte Jugend häufen sich mittlerweile wie Sand am Meer. Dass die Filme über pubertierende Jugendliche auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden allerdings immer das gleiche darstellen, kann man definitiv nicht behaupten. Denn dieser französische Beitrag um das Erwachen der Liebe und die damit verbundenen Problemchen, beleuchtet mal wieder eine andere Facette.

In einer Pariser Vorstadt im Sommer können sich die Gefühle schon einmal überschlagen. Die junge Marie (Pauline Acquart),15, ist schüchtern, unsicher und unzufrieden mit ihrem Körper. Ihre beste Freundin Anne (Louise Blachère) ist unsterblich in Francois verliebt, doch der interessiert sich nur für die schöne und leicht zu habende Floriane (Adèle Haenel). Doch die als Schlampe verschriene Floriane spielt nur die Sexgöttin der Schule und ist im Grunde so unsicher wie jedes andere Mädchen auch. Um ins Schwimmtanz-Team der Schule aufgenommen zu werden, freundet sich Marie mit Floriane an und gerät so in die Wallungen aufkeimender Gefühle, die sich in beiden Mädchen zueinander entwickeln.

Naissance des pieuvres erzählt diese Gefühlsachterbahn der verschiedenen Mädchen in sehr einfühlsamen Bildern. Anne zum Beispiel schämt sich wegen einiger Pfunde zu viel an ihrem Körper, sodass sie wartet, bis die Umkleide verlassen ist. Rasch will sie sich umziehen und da läuft ihr Schwarm Francois herein. Sie steht splitterfasernackt vor ihm und erlebt den bis dato erotischen Höhepunkt mit ihrer großen Liebe in einer peinlichen Situation. Die Kamera bewegt sich stets in der Nähe der Figur und lässt nur dann von ihr ab, wenn sich eine wahre Distanz zwischen Zuschauer und Figur offenbart werden soll.

Wirklich punkten kann der in Deutschland unter dem Titel Water Lilies vertriebene Film jedoch erst durch seine Jungdarsteller. Mit großer Ungezwungenheit schlüpfen sie in ihre Rolle. Die Angespanntheit der Figuren wirkt nicht gekünstelt oder gar aufgesetzt. Besonders die wachsende Liebesbeziehung zwischen Marie und Floriane entwickelt sich höchst widersprüchlich und fahrig. So wie es in einer solchen Situation –  für 15-Jährige im Besonderen – nur natürlich erscheint.

Unterstützt werden die Darstellerinnen von der sehr exakten Zeichnung der Charaktere durch Regisseurin und Drehbuchschreiberin Céline Sciamma (Tomboy). Floriane überspielt ihre Unsicherheit so sehr, dass sie sich in der Öffentlichkeit komplett verleugnet. In ihren Momenten mit Marie alleine, öffnet sie sich immer mehr, gesteht sich ihre Schwächen und wahren Gefühle ein, nur um in der nächsten Situation wieder in ihrem Image als Schlampe aufzugehen. In Anne lebt noch immer ein Kind, das gerne Unsinn anstellt und sich auf das Spielzeug im Happy Meal freut und damit versucht aus ihrer vergeblichen Liebesmühe zu träumen. Maria schluckt hingegen ihre Gefühle. Sie ist nicht nur unsicher, sondern auch lange unentschieden. In ihrer wachsen und reifen ihre Gefühle an, bis sie zum Ausbruch kommen müssen: Sie gesteht sich ein, was sie empfindet und erwartet, dass diese Gefühle erwidert werden.

Naissance des pieuvres bietet einen sehr realistischen und relativ entkünstelten Einblick in die Seelen dreier heranwachsender Frauen. Wie es in solchen Coming-of-Age Dramen üblich ist, werden die Probleme der Jugend nicht banalisiert, sie rücken voll in den Vordergrund und überschatten nahezu jede Szene. Dadurch schwingt bereits von Beginn an eine gewisse Stimmung im Film und eine gewisse Erwartung des Zuschauers in jeder Szene mit. Dass sich Marie in Floriane verliebt wird nach ihrer ersten Begegnung klar – wie beide damit umgehen und wie es endet, dass fesselt und wird grandios dargestellt. Zudem versucht Sciamma in ihrem Debüt keine großen Experimente, findet aber einen sehr gemächlichen und einfühlsamen Grundtenor in ihren Bildern und dem Soundtrack.

8 von 10 (sehr gefühlvolles Coming-of-Age-Drama, der etwas anderen Art)

Dieser Artikel wurde von Dos Corazones geschrieben und am 30. Mai 2012 um 18:06 veröffentlicht. Er ist unter Drama, Film, Gesehen abgelegt und mit , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Artikel.

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